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,Die Herrschaft des Wortes“,
waltet, desto schwieriger fällt natürlich die reinliche Scheidung. Ich
greife den einfacheren Fall der Kunstgeschichte heraus. Diese
interessiert sich zum Beispiel, sagen wir, für die „Entstehung eines
Gemäldes“. Hinter diesem „Vorgang“ verbirgt sich erlebtes Geschehen.
Das letztere knüpft sich nicht minder dem großen Gewebe ein, hat
an dem Spiel der Zusammenhänge teil. Seine Zusammenhänge bieten
auf jeden Fall eine Handhabe dazu, um auch dieses Geschehen der
Bewältigung nach Zustand und Entwicklung anheimfallen zu lassen.
Was da vorgeht, wird zum Beispiel sicherlich irgendwie von Zuständ-
lichen Gebilden in sich geschluckt; der Künstler kann Familienvater,
Geschäftsmann, Zünftler, Bürger sein. Aber dahinaus geht das Interesse
der Kunstgeschichte nicht; mit der Abkehr von allem, was „alltäglich“
ist, sagt man dann etwa: die „wirtschaftliche Seite“, oder die „gesell
schaftliche Seite“ ist wohl da, wird aber nicht beachtet; eher noch die
„technische Seite“. So ist es ständiglich: die Unterschiede, die im
Grunde nur in unserem rückschau enden Denken da sind, die werfen
wir nach außen, in das Überdachte, und nehmen sie von dort her als
„Seiten“ und „Gebiete“ zurück. Ähnlich mag es von jenem „Vor
gang“ auch heißen, daß ihm die „politische Seite“ fehle. Das will
sagen, vor jener Auslese, an die sich die berichtende Wissenschaft
halten muß, fände jenes Geschehen keine Gnade; oder es müßte von
ungefähr doch ein dickerer Strang des Allzusammenhanges darüber
hinlaufen, was am greifbarsten bei einer „politischen Karikatur“ zu
träfe. Sonst wären diese „Vorgänge“, und selbst vom Boden der Voll
geschichte aus, nur mehr im Zuständlichen erfaßlich. Aber vor jener
Auslese findet das Geschehen Gnade, die von der Kunstgeschichte in
eigener Sache vorgenommen wird. In diesem Sinne spricht man eben
von einem bestimmten „Gebiete“, das sich die Kunstgeschichte vor
behält. Auch hier ist es zweifellos auf einen einheitlichen Zu
sammenhang gemünzt; auch hier soll Allbedungenheit entfaltet
werden. Zu jener Einsicht verschlingt sich aber das Geschehen nicht
um seiner selbst willen, und auch seine Zusammenhänge fallen erst in
zweiter Linie in Betracht. Denn für diese Betrachtung ist nicht das
Geschehen selber das Primäre, sondern sein für sich betrachteter Er
folg, das Werk: ein Wort, das in solcher Bedeutung weit über diesen
einzelnen Fall hinaus gilt, für den es zufällig besonders gut stimmt.
Wenn es zu jener besonderen Auslese, zum Streben nach dieser Ein
heit für sich kommt, so hängt dies an einem Gesichtspunkte, der
von Haus aus zur Erledigung der Welt des Handelns hinzutritt.
Dieser Gesichtspunkt ist nicht aus der Erledigung selber entsprungen;
er hat mit dem Geschehen nichts zu tun, sondern mit Urteilen