thumbs: Bevölkerungslehre

Erster geschichtlicher Teil 
„Was bis zur Mitte der vierziger Jahre“, sagt Rathgen, „an 
staatlicher Unterstützung der Auswanderung nach Australien ge- 
schehen war, so wichtig es war für jene Kolonien, bedeutete doch 
wenig im Verhältnis zur ganzen Auswanderung, wenig gegenüber 
dem Massenelend in Irland, in den schottischen Hochlanden und 
den englischen Fabrikbezirken“ !). Wenn man sieht, in welchem Um- 
fange gerade in jenen schlimmen Jahren die Einwanderung nach 
den Vereinigten Staaten, die ja so gut wie ganz aus Europa stammte, 
zunahm, so gewinnt man damit auch ein Bild von den wirtschaft- 
lichen und sozialen Zuständen in einer Reihe europäischer Gebiete. 
Es wanderten nach den Vereinigten Staaten Personen ein in den 
Jahren ?} 
(841—43 
;844—46 
1847 —49 
1850—352 
853—855 
1856—58 
(850— 61 
247 350 
347 402 
758 519 
120 949 
997 355 
665 303 
258 579 
Die deutlichste Sprache spricht die folgende Tabelle, die nach 
den Angaben Sundbärgs die Bevölkerungsbewegung in jener Zeit 
für ganz Europa wiedergibt. Es betrug in 1000 die Zahl der 
Jahre Eheschließungen Lebendgeburten Todesfälle Geburtenüberschuß 
1841—45 10 599 49 124 37 380 11744 
1846 —50 10.987 49 202 43 149 6053 
L851—55 10 623 50 208 42 281 7927 
:856—60 II 898 53 291 41 373 11918 
Erst von der Mitte der 50er Jahre ab begannen sich die wirt- 
schaftlichen und sozialen Verhältnisse in Europa erheblich zu bessern, 
und diese Wandlungen kommen dann auch in der Stärke des Volks- 
wachstums zum Ausdruck. Nach den Berechnungen Sundbärgs nahm 
die Bevölkerung Europas in den folgenden Perioden im Jahresdurch- 
schnitt zu, um 
1821—30 
1831—40 
1841—50 
1851—60 
1861—70 
9,54 00 
7:94 » 
5,92 2» 
6,09 ,, 
7,63 .. 
') Englische Auswanderung u. Auswanderungspolitik im 19. Jahrhundert, Schr. 
d. V, f. Soz., Bd. 72, 1896, S. 27. 
?) Nach G. Sundbärg, Apercus statistiques internationaux, 11. Jahrg., Stock- 
naolm 1908, S. 108,
	        
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