Full text : Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

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IV.  Tñeil.

Statistik

der  Finanz-Verwaltung.

I.  Kapitel.
Art  und  Höhe  der  Einnahmen.
Zu  den  Ziffern  der  ersten  Spalte  der  Tabelle  XXI  ist
kaum  eine  kurze  erläuternde  Bemerkung  nötliig.  Da  mit  wenigen, ­
  nicht  ins  Gewicht  fallenden,  Ausnahmen  für  jede  Versicherung ­
  während  der  ganzen  Dauer  derselben  eine  gleichbleibende ­
  jährliche  Prämie  zu  entrichten,  die  Höhe  der  letzteren
aber  theils  von  dem  Beitrittsalter  des  Versicherten,  theils  von
dem  Versicherungsmodus,  hauptsächlich  jedoch  von  der  Höhe
der  Versicherungssumme,  abhängig  ist,  so  versteht  es  sich  von
selbst,  dass  die  Prämien-Ein  nähme  der  Bank  ziemlich  in
gleichem  Schritt  mit  dem  wachsenden  Versicherungsbestande
steigen  musste.  Sie  betrug
im  ersten  Jahrzehnt:  9  551  976  Mark
»  zweiten  »  21878154  »
»  dritten  »  31440519  »
»  vierten  »  48716  607  »
»  fünften  »  91  313432  »
im  Ganzen:  202900688  Mark.
Vergleicht  man  diese  Beträge  mit  der  Summe,  welche
durchschnittlich  in  jedem  Jahrzehnt  versichert  und  für  welche
Prämienzahlung  zu  leisten  war,  so  ergiebt  sich,  dass  im  Durchschnitt ­
  die  Prämien-Einnahme  sich
im  ersten  Jahrzehnt  auf  3,67  °/o  der  Versicherungssumme
»  zweiten  »  »  3,60  »  »  »
»  dritten  »  »  3,51  »  »  »
»  vierten  »  »  3,47  »  »  »
»  fünften  »  »  3,42  »  »  »
belaufen  hat.
Im  Verhältniss  zur  Versicherungssumme  ist  also
•die  Prämien-Einnahme  von  Jahrzehnt  zu  Jahrzehnt  gesunken,
während  gerade  umgekehrt  in  Folge  der  im  zweiten  Jahrzehnt
bewirkten  Einführung  und  neuerdings  allmählich  eingetretenen
stärkeren  Benutzung  der  »abgekürzten  Versicherung«,  wie  auch
in  Folge  der  gegen  das  Ende  des  vierten  Jahrzehnts  getroffenen
Einrichtung  der  »abgekürzten  Prämienzahlung«,  eher  eine  verhältnissmäsige
  Steigerung  der  Prämien  -  Einnahme  zu  erwarten
gewesen  wäre.  Da  die  Prämientarife  eine  Aenderung  nicht
erfahren  haben  und  auch  die  Dividende  hier,  wo  es  sich  ausschliesslich ­
  um  Brutto  -  oder  Tarifprämien  handelt,  nicht  in
Betracht  kommt,  so  findet  jenes  Sinken  der  Prämien-Einnahme
im  Verhältniss  zur  Versicherungssumme  lediglich  darin  seine
Erklärung,  dass  das  Beitrittsalter  der  Versichernden  im  Laufe
der  Zeit  durchschnittlich  ein  immer  niedrigeres  geworden  ist.
Zwar  hat,  wie  wir  schon  weiter  oben,  bei  Besprechung  der
Tab.  IV  bis  VI,  nachgewiesen  haben,  der  stärkste  Beitritt  zur
Bank  während  der  verflossenen  50  Jahre  stets  in  denselben

Altern  —  vom  25.  bis  40.,  oder,  noch  enger  begrenzt,  vom
30.  bis  37.  Lebensjahre  —  stattgefunden  ;  wohl  aber  ist  die
i  Betheiligung  der  höheren  Alter  verhältnissmäsig  eine  immer
I  schwächere  geworden.  Dies  wird  durch  die  erwähnte  und  im
;  I.  Theile  eingehender  besprochene  Tabelle  IV  vollständig
I  bestätigt;  denn  nach  derselben  standen  von  den  sämmtlichen
j  neu  aufgenommenen  Versicherten  im  Alter  von
15  bis  40  Jahren  über  40  Jahren
im  ersten  Jahrzehnt  56,7  %  43,3  °  o
»  zweiten  »  61,9  »  38,1  »
»  dritten  »  63,4  »  36,6  »
»  vierten  »  66,3  »  33,7  »
»  fünften  »  73,7  »  26,3  '»
Die  hieraus  sehr  deutlich  hervortretende  allmählich  schwächer
werdende  Betheiligung  der  höheren  Alter  (welche  sich  übrigens
sehr  einfach  daraus  erklärt,  dass  in  der  ersten  Zeit,  nachdem
die  Bank  ihren  Geschäftsbetrieb  eröffnet  hatte,  manche  Personen, ­
  denen  es  bis  dahin  an  Gelegenheit  und  Anregung  zur
Lebensversicherung  gefehlt  hatte,  noch  in  vorgerücktem  Alter
Versicherung  nahmen,  dass  dagegen  in  neuerer  Zeit,  wo  nicht
nur  das  Verständnis  für  die  Lebensversicherung  allgemeiner
verbreitet  ist,  sondern  auch  hei  der  grossen  Zahl  der  nach
und  nach  entstandenen  Concurrenz-Anstallen  das  Angebot  und
die  Anregung  ausserordentlich  gesteigert  worden  sind,  die
meisten  Personen,  welche  überhaupt  für  die  Lebensversicherung
gewonnen  werden  können,  schon  in  jüngeren  Jahren  zum  Abschluss ­
  der  Versicherung  schreiten)  würde  die  im  Verhältniss
zur  Versicherungssumme  erzielte  Prämien  -  Einnahme,  namentlich ­
  im  letzten  Jahrzehnt,  unzweifelhaft  noch  weit  mehr,  als
es  thatsächlich  der  Fall  gewesen  ist,  herabgedrückt  haben,
wenn  nicht  die  stärkere  Benutzung  der  mit  höherer  Prämienzahlung ­
  verbundenen  »abgekürzten  Versicherung«  entgegengewirkt ­
  hätte.  In  finanzieller  Hinsicht  ist,  beiläufig  bemerkt,
der  schwächer  gewordene  Beitritt  älterer  Personen  für  die  Bank
keineswegs  von  Nachtheil  gewesen,  da,  wie  schon  weiter  oben
i  einmal  angedeutet  wurde,  die  Prämiensätze  für  die  höheren
Alter  verhältnissmäsig  niedrig  sind.
Erwähnen  wollen  wir  übrigens  nochmals,  dass  die  in  der
Tabelle  XXI  aufgeführte  Prämien-Einnahme  durchweg  die  tarifmäsigen
  Brutto-Einzahl  ungen  begreift,  von  denen,  wie
wir  weiter  unten  sehen  werden,  ein  sehr  beträchtlicher  1  heil
später  an  die  Versicherten  wieder  zurück  erstattet  worden  ist,
resp.,  soweit  die  Einzahlung  erst  in  den  letzten  5  Jahren
geschehen  ist,  noch  zurückerstattet  werden  wird.
Wie  die  Prämien-Einnahme  von  dem  \  ersicherungsbestande,
so  ist  die  in  der  zweiten  Spalte  der  Tabelle  XXI  ver  zeichnete
Zinsen-Einnahme  im  Wesentlichen  von  den  vorhandenen,
verzinslich  anlegbaren  Fonds  der  Bank  abhängig.  Da  diese
Fonds  in  gleichem  Maase  wie  die  nicht  allein  mit  dem  Ver-
            
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