Materieller Fortschritt und Verteilung.
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Buch IV.
irrt Vergleich zur Arbeit, sondern sogar ohne eine Verminderung beim
niedrigsten Punkte stattfinden. Bei verdoppelter Bevölkerung kann
Land von nur 20 Produktivität der gleichen Summe von Arbeit eben
soviel gewähren als vorher Land von 20 Produktivität ergab. Denn
man darf nicht vergessen (was jedoch oft vergessen wird), daß die Produk
tivität des Bodens oder der Arbeit nicht in einem einzelnen Dinge,
sondern in allen gewünschten Dingen gemessen werden muß. Lin An
siedler und seine Familie können auf einem Grundstücke, das soo Meilen
von der nächsten Wohnung entfernt ist, ebensoviel Getreide bauen, als
wenn ihr Land im Mittelpunkte eines volkreichen Distrikts läge. Aber
in einer bevölkerten Gegend könnten sie sich mit der gleichen Arbeit auf
viel ärmerem Lande, oder auf gleich gutem Lande, für das sie eine hohe
Pacht zahlen müssen, ein ebenso gutes Auskommen verschaffen, weil
inmitten einer großen Bevölkerung ihre Arbeit wirksamer geworden
sein würde, vielleicht nicht in -der Produktion von Getreide, wohl aber
in der Güterproduktion überhaupt, d. h. der Gewinnung aller der Waren
und Dienste, welche der wirkliche Zweck der Arbeit sind.
Aber selbst wo beim niedrigsten Punkte die Produktivität der
Arbeit sich vermindert — d. h. wo die zunehmende Nachfrage nach
Gütern die Produktion auf einen niedrigeren Punkt der natürlichen
Produktivität gedrängt hat, als die aus der Bevölkerungszunahme
folgende Zunahme der Arbeitsleistung wett machen kann —, folgt nicht,
daß die Gesamtproduktion, im Vergleich mit der Gesamtarbeit, ver
mindert worden sei.
Nehmen wir Land von abnehmender «Dualität an. Das beste würde
natürlich zuerst besiedelt werden, und in dem Maße, wie die Bevölke
rung sich vermehrt, würde sie das nächstbeste nehmen und so weiter.
Da jedoch diese Vermehrung größere Ersparungen gestattet und dadurch
die Wirksamkeit der Arbeit erhöht, so würde die Ursache, welche nach
und nach das Land aller «Dualität unter Kultur brachte, gleichzeitig die
Summe der Güter erhöhen, welche dieselbe Menge von Arbeit darauf
hervorzubringen vermag; ja noch mehr, sie würde die Produktions
fähigkeit auf allen schon bebauten besseren Ländereien erhöhen, wären
die Verhältnisse von Quantität und (Dualität so, daß die Bevölkerungs
zunahme schneller die Wirksamkeit der Arbeit vermehrt, als zum Zurück
greifen auf weniger produktives Land nötigt, so würde der Minimal
ertrag der Arbeit zunehmen, obgleich die Grenze des Anbaues sich ver
engt und die Rente steigt. Das heißt, die Löhne würden absolut steigen,
obwohl relativ, im Verhältnis zur Rente, sinken. Die durchschnittliche
Güterproduktion würde zunehmen. Wäre das Verhältnis so, daß die
zunehmende Wirksamkeit der Arbeit sich gerade mit der abnehmenden
Produktivität des nach und nach in Benutzung genommenen Landes
ausgliche, so würde die Wirkung der Bevölkerungszunahme die sein,
die Rente, ohne die Löhne absolut herabzusetzen, durch Verengerung
der Anbaugrenze zu steigern und die Durchschnittsproduktion zu erhöhen.