Kapitel I. Die Physiokraten.
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sind. Von Anfang an stellt der Verfasser den Wert als die Grund
lage der Nationalökonomie hin und überragt dadurch sofort bei weitem
die Physiokraten ’). Er bezieht den Wert auf den „Nutzen“, um
dieses Wort aber sofort von seiner landläufigen Bedeutung zu trennen,
und ihm jenen wissenschaftlichen Inhalt zu geben, den es nicht mehr
verlieren sollte: der Nutzen ist nicht mehr der Ausdruck einer
Physischen, den Sachen innewohnenden Eigenschaft, sondern der einer
bestimmten Beziehung zwischen einer Sache und einem Bedürfnisse
des Menschen: „Der Wert liegt weniger in der Sache selbst als in
der Schätzung, die wir ihr entgegenbringen, und diese Schätzung
hängt von unserem Bedürfnis ab; er steigt und fällt wie unser Be
dürfnis größer oder geringer wird.“ — Hiermit ist die Grundlage der
Psychologischen Theorie des Wertes gefunden 2 ).*
Schon das ist viel und doch noch nicht alles. 4 Condillac er
kennt sofort, daß der Nutzen nicht der einzige Bestandteil ist, der
den Wert bestimmt, und daß die Quantität, d. h. der Überfluß oder
die Seltenheit, ebenfalls einen entscheidenden Einfluß ausübt. In aus
gezeichneter Weise weist er dann die Verbindung nach, die zwischen
diesen beiden Bestandteilen besteht, und zeigt, wie sie in Wahrheit
uuis sind, da die Qualität nur deshalb den Wert beeinflußt, weil sie
den Nutzen beeinflußt, d h. weil sie den Stachel des Bedürfnisses
•Wirker oder geringer fühlbar macht. „Da der Wert der Sachen sich
das Bedürfnis gründet, so ergibt sich, daß ein stärker gefühltes
edürfnis den Sachen einen größeren, und ein geringer gefühltes Be-
hrfnis ihnen einen geringeren Wert gibt. Der Wert der Dinge
Rächst daher mit ihrer Seltenheit und fällt mit ihrem Überflüsse.
111 Überfluß kann er sogar vollständig schwinden. Ein überreichlich
Wrhandenes Gut z. B. wird stets wertlos sein, wenn man keinen Ge
such davon machen kann, da es dann völlig nutzlos geworden sein
ird 3 ).“ Besseres kann man auch heute nicht sagen. Die ganze
e rttheorie Jevon’s, wie die der österreichischen Schule war hier
111 Keime gegeben, entfaltete sich aber erst viel später.
Diese Auffassung des Wertes mußte Condillac auch zu einer
ei höheren Auffassung des Tausches führen als die Physiokraten sie
jl ten - Da der Wert nur in der Befriedigung eines Bedürfnisses
fri^r S ° sc * la K t der Austausch, der gleichzeitig zwei Bedürfnisse be-
„ 6 zwei Werte. Das bezeichnende des Austausches besteht ja
hat 6 ^ aian ’ daß jede der beiden Parteien das, woran sie Überfluß
! £ e 8'en das, was ihr fehlt, eintauscht; das aber, was sie im Über-
dieses ^ dies nur deshalb so eingehend behandelt, weil es als Grundlage
ganzen Werkes dienen soll“ (Kap. I).
J. 6 Commerce et le Gouvernement, S. 15.
Ebenda, I. Teil, Kap. 1.