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Futtermittel.
die zu untersuchende Flüssigkeit mit Schwefelsäure ansäuert. Da sich hierbei neben freiem
Stickstoffgas noch Stickoxydgas (NO) entwickelt, so bietet die gasvolumetrisohe Bestimmung
einige Schwierigkeit. Man benutzt zur Beseitigung des Stickstoffoxyds meistens Eisenvitriol
und Sauerstoff. Dieses Verfahren hat aber wegen der gleichzeitig vorhandenen Kohlen
säure verschiedene Übelstände; C. Böhmer 1 ) hat sich daher als Absorptionsmittels bezw,
Oxydationsmittels für das Stickstoffoxyd des übermangansauren Kaliums in alkalischer Lösung 2 3 )
bedient, welche den großen Vorzug besitzt, daß sie gleichzeitig die vorhandene Kohlen
säure entfernt.
Das von C. Böhmer angewendete Verfahren verdient wegen seiner Einfachheit
und Sicherheit vor allen anderen in Vorschlag gebrachten Verfahren dieser Art den Vorzug
und möge daher hier wiedergegeben werden:
A in Fig. 31 ist ein mit verdünnter Salzsäure gefüllter hoher Standzylinder. In ihm
befindet sich ein mit Marmorstüoken gefülltes, nicht zu enges, unten etwas verjüngtes, auf
beiden Seiten offenes Glasrohr. Dieses ist oben mit einem durchbohrten Kork verschlossen
und mittels eines in den Kork geschobenen Glasröhrchens nebst Gummisohlauch mit dem Reagier-
kölbchen B verbunden. In dem weiten Hals des letzteren sitzt luftdicht ein 3-fach durch-
Fig. 81.
bohrter Kork, in dessen einer Öffnung ein bis an den Boden reichendes, unten spitz aus
gezogenes Röhrchen steckt, das mit dem Kohlensäure-Entwickelungsapparat in Verbindung
steht. Durch die zweite Öffnung führt ein langhalsiger Scheidetriohter und durch die dritte ein
rechtwinklig gebogenes Rohr, das dicht unter dem Kork abschneidet. Auf diesem Glasrohr
sitzt ein in seiner Mitte bei a durchschnittener Gummischlauoh, dessen Schnittfläche mit
Hilfe eines hineingeschobenen, eng anschließenden Glasröhrchens wieder verbunden ist.
Über diesem Glasrohr klemmt einstweilen der Quetschhahn b. Das andere Ende des Gummi
schlauches kann mit der Hempelsohen 8 ) Pipette C verbunden werden, einer sogenannten
„einfachen Absorptionspipette“, deren größere, ungefähr 150 ccm fassende Kugel mit einer
alkalischen Lösung von übermangansaurem Kalium gefüllt ist. Letztere Lösung wird in der
Weise bereitet, daß man eine für den Gebrauch hinreichende Menge Wasser mit einem
Überschuß von übermangansaurem Kalium, sowie mit einigen Grammen Kalium- oder
Natriumhydroxyd versetzt und unter zeitweiligem Umrühren kurze Zeit stehen läßt.
') Landw. Versuchs-Stationen 1883, 29, 247.
2 ) Auch durch Ohromsäure wird Stickstoffoxyd rasch und vollständig absorbiert bezw.
oxydiert; sie ist aber für diese Bestimmung nicht so geeignet, weil sie sich nicht in alkalischer
Lösung zur gleichzeitigen Entfernung der Kohlensäure anwenden läßt.
3 ) Hempel, Neue Methoden zur Analyse der Gase. Braunschweig 1880, S. 17.