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Über ökonomische Werte
wieder gemacht wird, und vor dem nicht genug ge
warnt werden kann. Indem man von der Auswan
derung eine Besserung der einheimischen Verhältnisse
erhoffte, sah man nicht, daß mit der Person jedes
Auswanderers ein Stück Volksvermögen hinausgestoßen
wurde, höchstens rechnete man aus, wieviel Geld die
Leute mit sich übers Meer nahmen und bemaß da
nach in wahrhaft kindlicher Weise den von Deutsch
land erlittenen Verlust. Man hielt eben das, was der
Mensch mitnahm, seine paar armseligen Güter für wert
voll, ihn selbst für überflüssig, also für wertlos.
Zum Glück ist das jetzt etwas besser geworden,'
aber die letzten Konsequenzen aus der Wertschätzung
des leistungs- und bedürfnisfähigen Menschen ziehen noch
die wenigsten. So erblicken die meisten in der Familie
ein zehrendes Element und nennen nur den Ar
beiter, der Korn und Fleisch, Steine und Zement, Klei
der und Schuhe, Gische und Betten hervorbringt, pro
duktiv.
Das mag privatwirtschaftlich richtig sein, volks
wirtschaftlich ist es eine durchaus irrige Auffassung.
In den Kinder st üben wachsen die Werte
der Zukunft! Allerdings nicht solche, die, wie Kar
toffeln und Rüben, in einem Sommer reifen, sondern
solche, die ein halbes Menschenalter zu ihrer Ent
wickelung brauchen.
Nun braucht ein Eichwald noch länger, ehe er
von Nutzen ist, aber niemandem wird es einfallen,
die zu seiner Anlage und pflege verwendeten Gelder
für unproduktiv zu erklären, warum sollten denn
die für die kjervorbringung und Erziehung von Men
schen gemachten Aufwendungen unproduktiv d. h. zeh
rend sein?