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4. Kapitel
Glauben zu sterben gewillt sind, dieses von allen
Menschen ohne weiteres vorauszusetzen sei.
Nun beruht unsere ganze moderne Entwickelung
auf einer Anhäufung von Erfindungen, von der Dampf
maschine an zur Nlassenbereitung des Stahls, von der
ersten primitivsten Spinnmaschine zum Iaquardwebstuhl,
vom elektrischen Experimentierobjekte zur Schnellbahn,
zu Telephon und Funkentelegraphie, von der Nüböllampe
zum Ñuerschen Glühlicht, und ein großer Teil der
„Rente", die die Produktionsmittel nach sozialistischer
Auffassung zu erzielen imstande sein sollen, besteht
eben im Lohn für die in den Erfindungen liegende
geistige Arbeit.
Wie sehr diese notwendig ist, beweist der schnelle
Niedergang mancher industriellen Unternehmungen, die
sich nicht durch Nutzbarmachung jeder Neuerfindung
auf der höhe zu halten verstehen. Selbst ein Niesen
betrieb, wie Krupp, kann, trotz allen Fleißes seiner
Arbeiter, in wenigen Jahren an den Nand des Ab
grunds gelangen, wenn eine andere Fabrik einen Stahl
erfinden würde, den Krupp nicht in gleicher Güte
und Billigkeit herzustellen imstande wäre. — Dann
würde der Kruppsche Betrieb bald keine, der andere
eine hohe Dividende geben; aber letztere wäre nur
der wohlverdiente Lohn für die geistige Arbeit, die in
der Erfindung lag, denn die körperliche Leistungsfähig
keit der Arbeiter auf den beiden Betrieben hat auf
das Resultat einen ganz sekundären Einfluß.
Wie schon oben erwähnt, kommt die Auffassung
vom ausbeutenden Kapital daher, daß man das durch
geistige und körperliche Arbeit entstandene Kapital ein
fach zusammenwürfelt mit einem anderen, das leider
nur zu häufig nicht in kristallisierter Arbeit, sondern