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kommt es doch äusserst selten vor, dass eine ganze
Industrie keine Gewinne abwirft, und wenn man von einer
wirklichen industriellen Katastrophe absieht, so kann man
behaupten, dass die Capitalisten als Classe niemals mit
Verlust arbeiten.
Die 2254 Actiengesellschaften, über die van der Borght
die genauen und vollständigen Zahlen mitteilen konnte,
haben doch in dem Geschäftsjahr 1891-92, trotz der angeb
lichen erheblichen'Verluste einer Anzahl von ihnen, einen
durchschnittlichen Gewinn von 8,8 <y 0 ihres nominellen
Capitals erzielt und 6,1 <y 0 Dividende verteilt.
Aehnliche Ergebnisse findet man bei den industriellen
Gesellschaften, deren Gewinn- und Verlustaufstellungen
jedes Jahr im officiellen Jahrbuche Belgiens angegeben
werden.*)
Wir können deshalb mit Recht schliessen, dass die
Besitzer der Productions- und Austauschmittel in guten
und schlechten Jahren eine Menge Profit, umgewandelten
Mehrwert, erzielen, dessen Grösse schwankt, aber für die
Gesamtheit der Unternehmungen niemals auf Null zurück
geht.
§ 2-
Der Entbehrungslohn.
Als zweites Element des Profites finden wir die Ver
zinsung des angelegten Capitals.
Solange dies Capital Privatleuten gehört, ist es ganz
natürlich, dass diese eine Entschädigung dafür verlangen,
*) Im Jahre 1898 hatten die dem Gesetze vom 18. Mai 1873
entsprechenden belgischen Gesellschaften ein Capital von
2045722000 Francs. Die Reingewinne von 948 von ihnen
betrugen 197 041 000 Francs; die Verluste von 112 dagegen
3394000; ergiebt also einen Gewinnüberschuss von 193647000
Francs, d. h. von 9,4 0/0 des nominellen, im allgemeinen
zu hoch bewerteten Capitals.
Ueber die schweren Nachteile der Uebercapitalisierung
(overcapitalisation) in den meisten Actiengesellschaften vergl.
Kershaw: Joint stock enterprise and our manufacturing
industries. (The Fortnightly Review, Mai 1900.)