136
schrieben ist, weil es ihnen ausschliesslich auf die Ge
winnung hoher Dividende ankommt. Wolfe sagt : „Es
giebt ganze Gegenden in England und besonders in Ir
land und Schottland, die ohne alle Eisenbahnen sind,
weil deren Bau den Gesellschaften nicht rentabel er
scheint.“*)
Der Staat hingegen hat die moralische Pflicht, einen
Teil seiner Gewinne zum Bau von Eisenbahnen auch in
den weniger guten Gegenden zu verwenden. In Deutsch
land, Oesterreich und Belgien giebt es eine ganze An
zahl von Linien, die nur aus diesem Grunde erbaut
worden sind.
Und trotz dieser im allgemeinen Interesse geleisteten
Aufwendungen, trotz der höheren Ausgaben bei der Be
soldung des unteren Personals sind doch die Güter- und
Personentarife in den Ländern mit staatlichen Eisenbahnen
niedriger, als in Frankreich und besonders in England.
Das constatierte im Jahre 1899 einer der ersten eng
lischen Ingenieure T. Forster Brown, als er vor der wissen
schaftlichen Gesellschaft in London die Lage der Kohlen
industrie in Hinsicht auf internationale Concurrenz unter
suchte: „Heute,“ so sagte er, „sind Deutschland und
Belgien die ernstesten Con currenten Englands. Die
deutschen Staatsbahnen haben die Tarife auf die Hälfte
dessen herabgesetzt, was man in England zahlt und da
durch den Kohlenhandel im In- und Auslande stark
gefördert.“**)
Der Vorteil ist noch umso bedeutender, als die Ver
einigung aller Linien in den Händen des Staates die
Möglichkeit gewährt, alle industriellen Gegenden des
Landes gleichmässig zu berücksichtigen.
Vorzugsweise war es denn auch die Ueberlegung
dieser Art, die die schweizerische Regierung bewogen hat,
*) A. G. W o 1 f e : The nationalisation of the railway system,
pag. 6 und 7. (London, The twentieth century press, 1894.)
**) Revue Universelle des Mines, Januar 1900, pag. 96 ff.