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während seine Verwaltungsfunctionen eine immer grössere
Bedeutung erlangen.
Der Gegensatz zwischen Staatswirtschaft und Volks
wirtschaft ist im Grunde genommen nichts anderes, als
der Reflex des Gegensatzes zwischen der militairischen
und der industriellen Structur der Gesellschaft. Und wenn
man den Dingen auf den Grund geht, so kann man wohl
sagen, dass trotz der unvermeidlichen, vorübergehenden
und teilweisen Rückschläge die Eroberung der politischen
Macht durch das Proletariat, die Entwickelung seiner inter
nationalen Organisation, die mehr oder weniger rasch und
vollständig durchgeführte Ersetzung des capitalistischen
durch das collective Eigentum eine Verminderung der
Kriegsursachen zwischen den Menschen und den Nationen
zur Folge haben werden und infolgedessen auch eine
zunehmende Verminderung der Bedeutung aller auf den
Zwang gegründeten Staatseinrichtungen.
Aber zu gleicher Zeit wächst die Bedeutung der decen-
tralisierten und verselbständigten Verwaltungseinrich
tungen, deren Zweck die Verwirklichung der socialen
Solidarität und der Betrieb der immer weiter ausgreifen
den Staatseinrichtungen im öffentlichen Interesse ist.
Wenn man diese beiden Tendenzen m die Zukunft
hinein fortgesetzt denkt, dann stösst man auf ein System,
dass auf der freiwilligen Zusammenarbeit begründet ist
und in dem, wie Engels meint, die Staatsmaschinerie neben
dem Spinnrocken und dem Broncebeil im Altertumsmuseum
seinen Platz finden wird; an Stelle des heutigen Staats
tritt eine staatliche Verwaltung, die nichts anderes ist,
als der Inbegriff der Functionen und Organe, die darauf
abzielen, die grösstmögliche Production und die gerechteste
Verteilung der Reichtümer zu sichern.
Das ist die gemeinsame Anschauung aller grossen Theo
retiker des Socialismus, vom Anarchisten Proudhom bis
zu seinen feindlichen Brüdern aus der marxistischen
Schule, von den Anhängern Saint - Simons bis zu den
Vandervelde: Die Entwickelung zum Socialismus. 11