122
in ihr ein mäßiges Kapital mit einer persönlichen Arbeitskraft zu einer auskömmlichen
wirtschaftlichen Einheit verschmelzt, deren Ertragswert weit höher ist,
als die Summe jeder einzelnen Komponente. Geht das Kapital verloren, so sinkt
der Mann zum Lohnarbeiter oder noch tiefer herab, fehlt die leitende Arbeitskraft
aus irgend einem Grund, so tritt eine sehr verhängnisvolle Lähmung des Geschäfts
ein. Das soll man sich nur recht klar machen, und man wird zugeben, daß
der gewerbliche Mittelstand in einem parlamentarisch regierten Staat im allgemeinen
auf eine Vertretung aus seinen eigenen aktiven Reihen verzichten muß.
Er ist daher aus Hilfe von den Angehörigen der anderen Stände angewiesen.
Bei seiner außerordentlichen Bedeutung für jedes Staatswesen hätte auch jeder
andere Stand das dringendste Interesse daran, auf das Wohlergehen des gewerblichen
Mittelstandes mit der gleichen Sorgfalt zu achten wie auf das Wohl des
eigenen Standes, die Arbeiter, denen die Hoffnung auf Einrücken in ihn ihre
eigene Befreiung aus bent dauernden Abhängigkeitsverhältnis der Lohnarbeiter
verheißt, ebensogut wie die Großkaufleute, die in seiner Existenz den besten Schutz
für die Stabilität ihrer Unternehmungen sehen müssen. Leider sind wir aber bei
der gegenwärtigen Verhetzung des Arbeiterstandes sowohl wie bei dem Liebäugeln
des Handels und der Industrie mit dem internationalen Großkapital weit
von dem Ideal der sachlichen Wertschätzung des gewerblichen Mittelstandes entfernt,
und so bleibt diesem nichts anderes übrig als diejenigen, denen er die
Vertretung seiner Interessen anvertrauen will, vorher genau anzusehen. Nach den
bisher vorliegenden Leistungen auf dem parlamentarischen Gebiet ist es keineswegs
schwer, sich für die richtigen Leute zu entscheiden. Sie sitzen nicht bei den
linksstehenden Parteien. Hier sind entweder direkte Feinde oder sehr laue
Freunde. Daher kann bei jeder Wahl die Parole für den gewerblichen Mittelstand
nur lauten: Los vom Liberalismus im allgemeinen und vom Freisinn im besonderen!
Ein Angehöriger des gewerblichen Mittelstandes kann je nach seiner sonstigen
persönlichen Stellung oder nach den Parteioerhältnissen seines Wahlkreises vernünftigerweise
seinen Vertreter nur entnehmen aus den Reihen
1. der Deutsch-Konservativen,
2. des Zentrums,
3. der deutsch-sozialen Reformpartei,
4. des Bundes der Landwirte.
Andere Parteien darf es für ihn nicht geben. Als Prüfsteine für die einzelnen
Kandidaten schlage ich je nach der Kompetenz der in Frage kommenden
Körperschaft die nachstehenden Punkte vor:
1. Bei Kommunalwahlen haben sich die Kandidaten darüber zu erklären,
wie sie sich bei eventuellen Gehaltsaufbesserungen für kommunale Beamte stellen