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Auch in Bayern, wo das alte Ertragssteuersystem
schon längst wieder im höchsten Grade reformbedürftig
geworden war, hatte es blos des durch die preussische
Reform gegebenen äusseren Anstosses bedurft, um die
Steuerreformfrage in Fluss zu bringen. Schon in den sechziger
und siebziger Jahren hatten die gewaltigen Umwälzungen
auf wirtschaftlichem Gebiet, die Einführung der Gewerbefreiheit
(30. Jan. 1868) und Freizügigkeit (1. Nov. 1867),
die Entwicklung der Verkehrsmittel und die dadurch hervorgerufenen
Verschiebungen in Handel und Industrie, der
wachsende Reichtum, das kräftige Aufblühen der Industrie
und die Zunahme der städtischen Bevölkerung Verhältnisse
geschaffen, denen die bestehenden Steuergesetze durchaus
nicht angemessen waren. Denn begreiflicher Weise kann
ein Ertragssteuersystem, das wie das bayerische auf einem
starren Steuertarif aufgebaut ist, sich den veränderten wirtschaftlichen
Verhältnissen nicht so leicht anpassen und
bedarf öfters einer Revision als eine allgemeine Einkommensteuer,
wo die Steuer sich nach der Grösse des Einkommens
richtet und daher der wechselnden Leistungsfähigkeit der
Pflichtigen viel mehr Rechnung tragen kann. Um die unhaltbaren
Zustände, die sich herausgebildet hatten, zu
beseitigen, hatte man schon im J. 1879 eine durchgreifende
Reform geplant; diese kam jedoch nicht zur Ausführung,
sondern wurde blos zu einer oberflächlichen Revision abgeschwächt,
indem nur die allergröbsten Misstände beseitigt
wurden (im J. 1881); es hafteten aber den Steuergesetzen
noch sehr viele Mängel an, die sich bei der wachsenden
Entwicklung der Grossindustrie und des Grosshandels, dem
Aufstreben der grossen Aktiengesellschaften und andrerseits
dem Niedergang des Kleingewerbes immer mehr verschärften.
Die durch diese Verhältnisse herbeigeführte ungerechte
Verteilung der Steuerlast machte eine Änderung
der Steuergesetze unvermeidlich. Die Reform verfolgte
nicht von vorn herein den Zweck, neue Steuerquellen dem
Staate zu eröffnen; nicht fiskalische Tendenzen waren
massgebend, sondern die wirtschaftlichen Interessen
gaben den Ausschlag. Wie ein roter Faden zieht sich der