Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

XXV  1.

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Tasche  zu  unterhalten,  welchen  Vorschlag  das  Mutterland  in
seiner  Geldnot  willig  annahm.  In  dem  seit  1803  von  neuem
losbrechenden  Kriege  konnte  man  es  aber  trotzdem  nicht  umgehen, ­
  Neger  als  Soldaten  zu  verwenden,  und  zwar  1804  zur
Bewachung  von  7000  französischen  Kriegsgefangenen  (Mr.
uller,  H.  o.  C.,  20.  Juni  1804,  auch  Mr.  Dickenson).  Die
Erregung  der  Kolonisten  hierüber  erreichte  abermals  einen
Höhepunkt.  Man  mufs  bedenken,  dafs  ein  Jahr  vorher  auf
Domingo  zwischen  den  Weifsen  und  Farbigen  das  Blutbad
und  Gemetzel  wieder  begonnen,  dafs  die  durch  Klima,  Krieg
und  Entbehrungen  geschwächte  französische  Besatzung  vertrieben ­
  und  der  endgültige  Abfall  dieser  Negerrepublik  sich
ereignet  hatte.  Wegen  der  Nähe  beider  Inseln  und  der  Beziehungen ­
  der  Sklaven  zueinander  konnte  sich  auf  Jamaika
jeden  Augenblick  das  gleiche  wiederholen.  Seine  Ruhe  hing
an  einem  dünnen  Faden.  1803  meuterte  das  8.  Westind.
Regiment;  das  2.  Regiment  auf  Jamaika  erschofs  später  seine
Offiziere  (Bridges  II,  S.  243).  Napoleon  rüstete  1804  zu
Boulogne  gewaltige  Expeditionen  aus.  Jeden  Tag  konnte  ein
französisches  Geschwader  erscheinen  und  mit  jenen  7  000  Gefangenen ­
  mitsamt  ihren  unzuverlässigen  Wächtern  über  die
Kolonisten  herfallen  (Southey  III,  S.  173  ff.).  Im  August
1805  erschien  der  später  von  Nelson  bei  Trafalgar  geschlagene
französische  Admiral  Villeneuve  in  den  karaibischen  Gewässern,
mit  der  Absicht,  gegen  Barbadoes  einen  Handstreich  zu  unternehmen ­
  (Thiers,  XXI,  S.  422).
Diese  Gefahren,  welche  die  Pflanzer  stündlich  bedrohten, ­
  mufsten  die  verstecktesten  Befürworter  des  Sklavenhandels ­
  davon  überzeugen,  dafs  es,  mindestens  solange  der
Krieg  dauerte,  nötig  war,  jeden  Zuzug  halbwilder  Barbaren
aus  Afrika  sorgfältig  fernzuhalten.  Nur  in  diesem  Falle  war
auf  einigermafsen  friedliche  Zustände  zu  rechnen.  „The
abolition  must  greatly  ameliorate  the  structure  of  society  in
the  West  India  colonies"  (Brougham,  IV,  S.  500,  auch  Fox,
10.  Juni  1806,  H.  o.  G).  —

Dritter  Teil.
Das  Verhältnis  Britisch-Westindiens  zu  den
Vereinigten  Staaten.
Zum  Schlufs  scheint  auch  das  im  Laufe  des  Krieges  seit
1793  sich  für  England  immer  mifslicher  gestaltende  Verhältnis
Westindiens  zu  den  Vereinigten  Staaten  einen  ziemlich  starken
Druck  auf  die  Abolition  ausgeübt  zu  haben.  Auf  den  allgemeinen ­
  Zusammenhang  zwischen  der  Abolitionsbewegung
und  die  durch  den  Abfall  Nordamerikas  notwendig  gewordenen
schiffahrtspolitischen  Mafsnahmen  Englands  hatten  wir  bereits
Forschungen  XXV  1  (116).  —  Hochstetter.  8
            
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