Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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befand.  Die  Vereinigten  Staaten  drohten  mit  Vergeltungen,
mit  dem  gänzlichen  Ausschlufs  britischer  Schiffe  aus  ihren
Häfen.  Was  dabei  für  England  auf  dem  Spiele  stand,  ist  in
der  oben  (Seite  92)  angeführten  Bemerkung  ausgesprochen,  dafs
dadurch  3 /s  des  ganzen  englischen  Handels  lahmgelegt  worden
wären.  Ein  Krieg  hätte  vor  allem  Westindien  augenblicklich
dem  Hungertode  preisgegeben.  Grofsbritannien  und  Irland
waren  mehr  denn  je  unfähig,  die  Sklaveninseln  genügend  mit
Nahrungsmitteln  zu  versorgen  (Lord  Petty,  21.  April,  1806).  Es
war  eine  allbekannte  Tatsache,  dafs  die  Kolonien  ohne  die
Hilfe  der  Union  nicht  ernährt  werden  konnten  (Lord  Grenville, ­
  H.  o.  L.,  31.  März,  1806;  Lord  Auckland;  Lord  Holland,
H.  o.  b.,  Mr.  Yuung,  13.  Juni  1806;  Lord  Chancellor,  6.  Mai  1806
u.  viele  andere).  Ihre  wirtschaftliche  Abhängigkeit  hatte  sich,
obwohl  früher  schon  sehr  grofs,  im  Laufe  des  Krieges  noch
gesteigert.  Die  Vereinigten  Staaten  lieferten  von  1804  —  1806
nach  Pitkin  (S.  181/2):
an  Mehl  mehr  als  9  )°  des  Bedarfes
„  Mais,  Hafer,  Bohnen,  Erbsen  usw.  .  .  2 /a  „  „
„  Rind-  und  Schweinefleisch  1/2  »  »
„  getrockneten  Fischen  mehr  als.  .  .  .  1 !2  „  »
„  Vieh,  Holz  und  sonstigen  Lebensmitteln  fast  alles

Wäre  also  der  Krieg  mit  Nordamerika,  der  unmittelbar  be\  01  -
stand  (Mr.  Percival,  H.  0.  C.  13.  Juni,  1806),  ausgebrochen,  so
wäre  Westindien  auf  Gnade  oder  Ungnade  den  Amerikanern
ausgeliefert  gewesen.
Unter  dem  Druck  dieser  Verhältnisse  und  mit  Rücksicht
auf  die  unerquickliche  Lage  in  Europa  hielt  es  das  Kabinett
von  St.  James  für  geraten  einzulenken.  Welchen  Wert  es
auf  die  amerikanische  Freundschaft  legte,  zeigen  die  Instruktionen ­
  des  Kolonialministers  Windham  an  die  westindischen
Gouverneure  im  April  1806,  welche  letztere  nicht  etwa  zu  sparsamen ­
  Gebrauch  ihrer  Vollmachten  anhielten,  sondern  sie  im
Gegenteil  aufforderten,  „die  Navigationsakte  während  des  ganzen
gegenwärtigen  Krieges  ohne  jedwede  Prüfung  zu  suspendieren,
für  Indemnität  würde  die  Regierung  schon  sorgen  .  (  Mr.  Canning,
H.  o.  C.  13.  Juni,  1806).  Ungefähr  gleichzeitig  entschlofs  es  sich
dazu,  die  folgenschwere  Entscheidung  hierüber  durch  die  eiwähnte
  „American  Intercourse  Bill“  aus  den  Händen  der  Gouverneure ­
  in  die  des  Londoner  Privy  Council  zu  verlegen,  und  die
Suspensionen  für  die  Zeit  des  gegenwärtigen  Krieges  dauernd
zu  machen.  Motiviert  wurde  dieser  Gesetzesvorschlag  mit  c  er
offenbaren  Unmöglichkeit,  Westindien  ohne  die  amerikanischen
Schiffe  genügend  zu  versorgen,  und  aufserdem  mit  dem  Hinweis, ­
  dafs  nur  ein  Ministerrat  in  London  die  bei  den  Suspensionen ­
  zu  berücksichtigende  allgemeine  politische  ^Lage  in
            
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