Erstes Kapitel.
Ursprung, Entwicklung und Umfang des
britischen Sklavenhandels.
Der eigentlichen Untersuchung sei ein kurzer Bericht
über den Ursprung, die Entwicklung, den Umfang und über
die Förderung des britischen Sklavenhandels, die ihm über
100 Jahre lang von der englischen Regierung zuteil wurde,
vorausgeschickt.
Es ist bekannt, dafs die Entdeckung der neuen Welt, die
Gründung und Ausbeutung der dortigen Kolonien sowie ihre
rasch aufblühende Plantagen Wirtschaft das Bedürfnis nach
menschlichen Arbeitskräften mächtig gesteigert haben. Ohne Ar
beiter hätte der gerade in den Kolonien sich frei ausbildende
Grofskapitalismus mit den neuentdeckten Ländern wenig an
fangen können. Das kapitalistische Gewinninteresse also war
es, das nacheinander alle seefahrenden Nationen zum Neger
sklavenhandel heranlockte. Im Jahre 1502 schmuggelte der
erste englische Sklavenhändler, J. Hawkins, seine Ware durch
die spanischen Gewässer nach Haiti. Erklärlicherweise konnte
der britische Handel einen gröfseren Umfang erst annehmen,
nachdem England in Westindien eigene Kolonien erworben
hatte, d. h. erst nach der Eroberung der bisher spanischen
Inseln Barbadoes im Jahre 1005 und Jamaika im Jahre 1052.
Bis 1088 wurde er nach der Art der meisten gröfseren mer-
kantilistisehen Handelsunternehmungen von privilegierten Kom
pagnien , und zwar in der Form der sogenannten joint-stock
companies, betrieben. Der vorletzten von ihnen, der New
Boyal African Company, welcher viele höchstgestellte Per
sonen, z. B. der König selbst, der Herzog von York, der Graf
v on Shaftesbury und sein berühmter Freund John Locke an
gehörten , machte die Revolution von 1088 ein Ende. Die
„Petition and Declaration of Right“, welche alle königlichen
Privilegien, die ohne Zustimmung des Parlaments bewilligt
worden waren, für nichtig erklärte, stellte den Sklavenhandel
für jeden englischen Untertan frei. Wilhelm III. von Oranien