Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV  1.

Schaft.  Ohne  sie  wäre  die  Produktion  der  kostbaren  Kolonialwaren ­
  ebenso  unmöglich  gewesen  wie  heutzutage  ein  Fabrikbetrieb ­
  ohne  Dampfmaschinen  oder  Kohlen.  Neger  waren  die
damaligen  „schwarzen  Diamanten“.  Der  westindische  Boden
und  die  ihn  befruchtende  Sklavenarbeit  waren  die  beiden
Zaubermittel,  waren  Vater  und  Mutter  aller  Schätze,  welche
die  Antillen  hervorbrachten.
Der  Sklave  war  das  Anfangsglied  einer  langen  Kette  von
wirtschaftlichen  und  politischen  Folgeerscheinungen.  Er  selbst
erzeugte  zunächst  Zucker  und  Rum.  Letztere  bildeten  die
Massenexportprodukte  der  Kolonisten,  verschafften  ihnen  Reichtum ­
  und  Kaufkraft  für  die  Fabrikate  des  Mutterlandes,  unterhielten ­
  eine  Handelsflotte  von  nahezu  700  Schiffen  und  gaben
Zehntausenden  von  Kaufleuten,  Matrosen  und  Arbeitern  Lohn
und  Brot.  Die  westindisch  -  europäische  Schiffahrt  bildete
lange  Zeit  die  Wiege,  dann  eine  Haupt-  und  seit  1783  längere
Zeit  die  einzige  Stütze  der  britischen  Seemacht.  Grofsbritanniens
  Glück,  Reichtum  und  politische  Bedeutung  hingen
ein  Jahrhundert  lang  mit  dem  westindischen  und  dadurch
indirekt  mit  dem  Sklavenhandel  auf  das  innigste  zusammen.
„Der  Sklavenhandel  und  der  westindische  Handel  sind  nicht
voneinander  zu  trennen;  beide  hängen  voneinander  ab.“  (Mr.
Alderman  Watson,  H.  o.  C.,  19.  April  1791).  Diesen  Zusammenhang ­
  wolle  man  in  den  folgenden  Ausführungen  nie
aus  den  Augen  verlieren.  Wer  die  Beweggründe  für  die  Abolition ­
  ergründen  will,  muís  sich  mit  den  Schwankungen  des
westindischen  Kolonialhandols,  namentlich  des  Zuckerhandels,
sodann  aber  auch  mit  den  fortwährenden  Verschiebungen  der
politischen  Lage  in  Europa  vertraut  machen.  Auch  der  nordamerikanisch- ­
  westindische  Handel  stand  zu  dem  Sklaven-,
Zucker-  und  dem  sonstigen  britischen  Welthandel  in  engen
Beziehungen  und  wird  einen  wesentlichen  Faktor  in  unserer
Untersuchung  bilden.
Um  sich  von  den  ziemlich  verwickelten  Beziehungen  der
angeführten  Handelszweige  ein  Bild  zu  machen,  empfiehlt  es
sich,  den  Sklavenhandel  der  Reihe  nach  von  Anfang  an  bis
zu  Ende  über  alle  seine  Stadien  zu  verfolgen.  Für  diesen
Zweck  greifen  wir  ein  bestimmtes,  typisches  Jahr  aus  dem
Zusammenhang  heraus.
Im  Jahre  1787  segelten  137  Schiffe  mit  einem  Tonnengehalt ­
  von  22  2(33  und  mit  einer  Besatzung  von  rund  5000  Mann
von  grofsbritannischen  Häfen  zum  Sklavenhandel  nach  der
afrikanischen  Küste  aus.  (Dies  und  das  Folgende  ersiehe  aus
dem  Report  1789,  resp.  aus  Edwards  IV,  c.  II).  Die  mitgeführten ­
  Artikel  —  von  der  beschriebenen  Art  —  hatten,
soweit  sie  britischen  Ursprunges  waren,  einen  Wert  von
401593  j£,  wozu  noch  für  2(36  601  '£  fremde  Exportgüter,
namentlich  ostindische  Baumwollstoffe,  Kaurimuscheln  und
            
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