Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

XXV 1. 
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venetianische Artikel (Perlen) kamen. Diese Waren wurden 
teils an die 14 britischen Faktoreien der Küste abgesetzt, 
teils direkt an private schwarze Händler gegen Neger ein 
getauscht. Für einen erwachsenen männlichen Sklaven von 
durchschnittlicher Güte wurden Artikel im Werte von 15 £ 
hingegeben. In dieser Weise erstanden die Engländer im 
ganzen etwa 42000 Neger. (Die Angaben im Report — 
38 000 Neger — sind zu niedrig, weil sie sich nur auf die 
offiziell ermittelten Zahlen beziehen.) Mit ihnen traten die 
Schiffe die berüchtigte, etwa acht Wochen dauernde Seefahrt 
nach Westindien an. Infolge der furchtbaren Strapazen an 
Bord erreichten es vielleicht nur 34000 Neger lebendig. 13022 
wurden sofort, und 5306 über britische Häfen ins Ausland — in 
die französischen, spanischen und dänischen Kolonien — ge 
führt. Der kleinere Rest, etwa 15—10000 Stück, blieb den 
Angaben zufolge auf den britischen Inseln, zum Gebrauch der 
britischen Pflanzer. 
Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Sklaven betrug 
dortselbst 35 ( £. Die 15 — 10 000 Neger verteilten sich auf 
die 4—5000 britischen Zuckerplantagen. Die frisch An 
gekommenen wurden älteren, bereits angelernten Sklaven, 
sogen. Kreolen, zugeteilt und begriffen unter deren Leitung die 
einfache, aber schwere Arbeit auf dem Felde oder in der Mühle 
verhältnismäfsig rasch. Zur Anlage von Neukulturen waren 
sie nur unter Anleitung älterer zu verwenden — ein Umstand, 
der, wie sich zeigen wird, wesentlich zur Abolition beitrug. 
Die schwerste Arbeit für die Neger begann im Herbst, 
wenn unter den sengenden Sonnenstrahlen die jungen Rohr 
stengel eingepflanzt wurden. Die Neger gruben zu diesem 
Zweck mit leichten Hacken den Boden etwa 1 Fufs tief auf, 
setzten die Pflanze hinein und umgaben sie dann mit der 
fruchtbaren Dammerde. Diese Verrichtungen waren ausschliefs- 
lich Handarbeit; die Verwendung von Tieren oder Pflügen, 
welche die Abolitionisten oft als Ersatz für die Sklavenarbeit 
vorgeschlagen hatten, hatte sich des unebenen Bodens wegen 
fds undurchführbar erwiesen. Die nächstschwere Arbeit wurde 
zur Erntezeit verrichtet. Das Rohr wurde mit Sicheln ab 
geschnitten und in Bündeln von fast 100 Pfund Gewicht zur 
Mühle geschleppt. Hier wurde der Rohrsaft ausgeprefst und 
ln den Siedehäusern wiederholt dem Destillier- und Reinigungs- 
prozefs unterworfen. Trotz der schweren Anstrengungen 
sollen sich hierbei die Sklaven am wohlsten befunden haben, 
weil sie sich an dem nahrhaften Zuckersaft satt essen konnten, 
was sonst oft nicht der Fall war. 
Die jahrhundertlangen Importe hatten die Sklavenbevölke- 
rung in Britisch-Westindien im Jahre 1787 auf 401 034 Köpfe 
gebracht. (Report 1789, IV, Tabelle Nr. 15.) Sie stellten, 
Pro Kopf zu 40—50 & geschätzt (akklimatisierte Neger waren
	        
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