Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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grofsen  und  ganzen  der  nordamerikanisch-westindische  Handel,
solange  England  ihn  lenken  konnte,  als  äufserst  vorteilhaft
für  das  Mutterland  bezeichnet  werden.  Letzteres  zog  schliefslich,
  wie  man  den  Handel  auch  ansah,  den  Hauptnutzen  daraus.
Grofsbritannien  hatte  eine  passive  Handelsbilanz  mit  Westindien, ­
  letzteres  wieder  eine  solche  mit  Nordamerika,  und
Nordamerika  endlich  eine  solche  mit  Grofsbritannien.  Was
Grofsbritannien  nicht  durch  den  direkten  Handel  mit  Sklaveninseln ­
  gewinnen  konnte,  holte  es  sich  auf  dem  Umwege  über
Nordamerika.  Somit  konzentrierte  sich  der  Endvorteil  zuletzt
in  England  (Edwards  VI,  cf.  II,  S.  380  ff.).  Auch  die  nordamerikanischen ­
  Kolonien  fuhren  gut  dabei;  denn  ihr  Exporthandel ­
  zu  den  Inseln  gab  der  oben  erwähnten  stattlichen  Zahl
von  Matrosen  und  Kaufleuten  ihren  Lebensunterhalt  und  bot
den  Farmern  einen  sicheren  Absatz  für  den  sonst  wertlosen
Uberschufs  ihrer  agrarischen  Produkte.
So  ermöglichte  es  wesentlich  der  Besitz  von  Nordamerika,
dafs  der  englisch-westindische  Handel  in  jeder  Beziehung  dem
Mutterlande  zugute  kam.  Die  Zuckerinseln  entsprachen  durchaus ­
  den  Erwartungen,  um  derentwillen  man  Kolonien  gegründet
hatte.  Ihr  Ein-  und  Ausfuhrhandel  mit  Grofsbritannien  beschäftigte ­
  1787  eine  Flotte  von  (589  Schiffen,  deren  Gehalt
14817(5  Tonnen  und  deren  Besatzung  13936  Mann  betrug.
Da  alle  diese  Erfolge  im  letzten  Grunde  den  Sklavenimporten
  und  ihrer  Hände  Arbeit  zugeschrieben  werden  mufsten,
so  kann  man  es  verstehen,  dafs  von  seiten  der  Gegner  der
Abolition  behauptet  werden  konnte,  der  ganzen  westindischen
Plantagenwirtschaft  und  dem  wichtigsten  britischen  Handelszweige ­
  würde  durch  die  Abolition  der  Todesstreich  versetzt
werden.  „All  die  Tausenden  von  Plantagenbesitzern,  Reedern,
Schiffs  bauern,  Matrosen,  Handwerkern,  Witwen  und  Waisen,
deren  Kapital  in  westindischen  Plantagen  angelegt  war,  würden
brotlos  gemacht  werden,  wenn  nicht  mindestens  80—100  Mill.
Entschädigung  gezahlt  würden  !  Würde  Pitt  plötzlich  alle
Staatsschulden  aufheben,  so  könnte  diese  Mafsregel  nicht  verderblicher ­
  wirken  als  die  Abolition!“
Wir  werden  im  folgenden  sehen,  dafs  von  solchen  Befürchtungen ­
  ,  wie  sie  im  Parlament  oft  ausgesprochen  sind,
keine  Rede  sein  konnte,  dafs  sie  starke  Übertreibungen  gewisser ­
  einflufsreicher,  interessierter  Handelskreise  waren.  Es
wird  sich  auch  zeigen,  dafs  die  britischen  Zuckerinseln  gegen
ünde  des  18.  Jahrhunderts  ihre  Plantagen  Wirtschaft  nicht  nur
ebne  Sklavenimporte  weiterzuführen  imstande  waren,  sondern
dafs  die  von  1783—1806  von  Grund  auf  veränderten  Verhältnisse ­
  unerbittlich  die  Einstellung  des  Negerhandels  verlangten,
wollte  England  nicht  diesen  soeben  geschilderten  glänzenden
Kolonialhandel  an  das  konkurrierende  Ausland  verlieren.

Forschungen  XXV  1  (116).  —  Hochstetten

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