Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV  1.

Tagesordnung  abgesetzt  worden  ist.  Es  ist  der  erste  Beweger,
der  Ausgangspunkt  der  jetzt  beginnenden  20jährigen  Geisteskämpfe. ­
  —
Seine  Tätigkeit  erstreckte  es  zunächst  auf  die  Bearbeitung
der  öffentlichen  Meinung.  Es  verstand  meisterhaft,  durch  eine
geschickte  Agitation  in  das  Publikum  Bewegung  hineinzutragen.
Allenthalben  wurden  kurze,  für  den  einfachen  Mann  leicht
verständliche  Flugschriften  in  der  Form  angenehm  unterhaltender ­
  Erzählungen  zu  Tausenden  unter  die  Menge  verteilt.  Die
kleinen  Bilder  mit  rührseligen  Darstellungen  predigten  mehr
als  dickleibige  Bücher  das  Elend  der  „middle  passage“.
Sodann  besorgte  sich  das  Komitee  das  notwendige  Rüstzeug ­
  für  die  geplante  Parlamentskampagne,  vor  allem  genaue
Informationen  über  die  Art  und  Weise,  wie  der  Handel  betrieben ­
  wurde.  Unermüdlich  reiste  Clarkson  im  Lande  umher
und  kaufte  in  Liverpool  und  Bristol  Handschellen,  Beinfesseln,
Daumschrauben  und  sonstige  Marterinstrumente,  die  er  bei
seinen  Vorträgen  in  den  verschiedenen  Städten  des  Königreiches ­
  als  Beweis  für  die  Grausamkeiten  des  Handels  vorzeigte. ­
  Den  gröfsten  Wert  hatten  seine  Feststellungen  über
die  ungeheure  Sterblichkeit  der  Neger  wie  der  britischen
Matrosen  während  der  Seefahrt.
Zuletzt  bemühte  sich  das  Komitee,  Mitglieder  des  Parlaments ­
  auf  seine  Seite  zu  ziehen.  Der  leitende  Minister  Pitt,
sowie  Fox  und  Grenville  wurden  1788  durch  Unterredungen
mit  Clarkson,  der  sie  von  der  Schädlichkeit  des  Handels  überzeugte, ­
  gewonnen  (Clarkson,  Hist.  I,  S.  474;  Blake,  S.  187  ff.).
In  allen  gröfseren  Provinzstädten  organisierten  sich  Zweigkomitees, ­
  die  mit  dem  Hauptkomitee  in  London  in  feste  Beziehungen ­
  traten.  Aus  manchem  früheren  Feinde  wurde  so
ein  Freund  der  Abolition.  Sogar  mit  dem  Ausland  pflog  man
Verkehr,  namentlich  mit  der  Pariser  Gesellschaft  der  „Amis
des  Noirs“,  welcher  die  erleuchtetsten  Köpfe  Frankreichs,
angehörten.  Pitt  trat  damals  mit  der  französischen  Regierung
über  gemeinsame  Abolition  in  Erfolg  versprechende  Verhandlungen ­
  ,  die  durch  die  ausbrechende  französische  Revolution
unterbrochen  wurden  (Clarkson,  Hist.  II,  S.  505).
Immer  lauter  erhob  die  öffentliche  Meinung  ihre  Stimme
für  die  Beseitigung  der  Greuel  des  Menschenhandels.  In
Petitionen  und  Protestversammlungen  gab  sich  der  Wille  des
Volkes  Ausdruck.  Mitte  Februar  1788  waren  35  Petitionen
an  das  Unterhaus  eingelaufen;  noch  mehr  wurden  erwartet.
Um  das  Jahr  1788,  kann  man  sagen,  hatte  die  Bewegung  ihren
Höhepunkt  erreicht.  Auch  die  königliche  Familie  war  von
Petitionen  nicht  verschont  geblieben.
Die  allgemeine  Stimmung  im  Lande  konnte  der  Regierung
nicht  gleichgültig  bleiben.  Noch  ehe  das  Parlament  sich  mit
dem  Problem  zu  befassen  Gelegenheit  fand,  erging  die  Kabinetts-
            
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