Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

XXV 1. 
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esse seit 1790 erlahmt war, wiederum seiner Seite zuwendete. 
Viele Leute fingen an, ihre Sympathie dadurch zu bezeugen, 
dafs sie keine westindischen Kolonialwaren mehr kauften. Der 
Zuckerverbrauch nahm merklich ab. Aus den verschiedensten 
Städten des Landes liefen wieder Petitionen an das Unterhaus 
ein. Ihre Zahl belief sich jetzt auf 519. Noch eine andere 
Genugtuung wurde der Gesellschaft zuteil : Die Sierra Leone 
Company, welche einen Teil Afrikas kolonisieren und die 
Kenntnis über den dunkeln Erdteil verbreiten wollte, fand 
die königliche Bestätigung. 
So konnte es WiIberforce wagen, am 2. April 1792 seinen 
dritten Antrag zu stellen. Seine Rede, seine Gründe waren 
nicht weniger glänzend als im vergangenen Jahre; die be 
deutendsten Parlamentarier waren auf seiner Seite. Die Gegner 
versuchten vergeblich, neue Vorwände zu weiteren Verzöge 
rungen ausfindig zu machen. Nach endlosen Debatten, An 
trägen und Zusätzen einigte man sich schliefslich auf Mr. Dundas’ 
Vorschlag mit 151 Stimmen gegen 132 auf sofortiges Ver 
bot des in die ausländischen Kolonien geführten 
britischen Sklavenhandels und allmähliche Abo 
lition der in die eigenen Kolonien geführten 
Neger im porte vom 1. Januar 179b ab. 
Dieser Beschlufs, auf den wir noch zurückkommen werden, 
ist für die britische Abolitionsgeschichte von grundlegender 
Bedeutung. Er lehrt, dafs schon 1792 das Unterhaus klar er 
kannt hatte, dais die Fortdauer des in die fremden Kolonien 
geführten Negerhandels weniger dem eigenen als dem Inter 
esse des Auslandes dienlich sei. Dafs der Negerimport in die 
britischen Inseln noch für einige Jahre gestattet wurde, ge 
schah ausgesprochen nur zu dem Zweck, letzteren Zeit zu 
lassen, sich genügend mit Sklaven zu versehen (Mr. Dundas, 
Parliam. Debates, auch Bandinell, S. 102). 
Der Beschlufs des Unterhauses wurde aber nicht zum 
Gesetz; denn das Oberhaus nahm ihn nicht an. Hier safsen 
die Vertreter des Großkapitals, die ihr Vermögen in Sklaven 
schiffen und in den westindischen Zuckerplantagen angelegt 
hatten und durch die Abolition zu allererst in Mitleidenschaft 
gezogen wären. 
Infolgedessen war 1792 praktisch ein gewisser Abschlufs 
der ganzen Bewegung erreicht. Man konnte nicht hoffen, die 
Lords in absehbarer Zeit umzustimmen ; die Untersuchung, 
zu der wenigstens sich das Oberhaus herbeigelassen hatte, 
konnte die Sache ins endlose verlängern. Dazu kam, dafs 
das Abolitionskomitee wichtige Zeugen und Mitkämpfer durch 
den Tod verlor. Das Schlimmste aber war der Ausbruch 
des Krieges mit der französischen Republik im Frühjahr 1793. 
Ler Einflufs der Männer, die in Frankreich jahrelang für die 
Abolitionsidee gestritten hatten, war dadurch lahm gelegt. Die
	        
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