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esse seit 1790 erlahmt war, wiederum seiner Seite zuwendete.
Viele Leute fingen an, ihre Sympathie dadurch zu bezeugen,
dafs sie keine westindischen Kolonialwaren mehr kauften. Der
Zuckerverbrauch nahm merklich ab. Aus den verschiedensten
Städten des Landes liefen wieder Petitionen an das Unterhaus
ein. Ihre Zahl belief sich jetzt auf 519. Noch eine andere
Genugtuung wurde der Gesellschaft zuteil : Die Sierra Leone
Company, welche einen Teil Afrikas kolonisieren und die
Kenntnis über den dunkeln Erdteil verbreiten wollte, fand
die königliche Bestätigung.
So konnte es WiIberforce wagen, am 2. April 1792 seinen
dritten Antrag zu stellen. Seine Rede, seine Gründe waren
nicht weniger glänzend als im vergangenen Jahre; die be
deutendsten Parlamentarier waren auf seiner Seite. Die Gegner
versuchten vergeblich, neue Vorwände zu weiteren Verzöge
rungen ausfindig zu machen. Nach endlosen Debatten, An
trägen und Zusätzen einigte man sich schliefslich auf Mr. Dundas’
Vorschlag mit 151 Stimmen gegen 132 auf sofortiges Ver
bot des in die ausländischen Kolonien geführten
britischen Sklavenhandels und allmähliche Abo
lition der in die eigenen Kolonien geführten
Neger im porte vom 1. Januar 179b ab.
Dieser Beschlufs, auf den wir noch zurückkommen werden,
ist für die britische Abolitionsgeschichte von grundlegender
Bedeutung. Er lehrt, dafs schon 1792 das Unterhaus klar er
kannt hatte, dais die Fortdauer des in die fremden Kolonien
geführten Negerhandels weniger dem eigenen als dem Inter
esse des Auslandes dienlich sei. Dafs der Negerimport in die
britischen Inseln noch für einige Jahre gestattet wurde, ge
schah ausgesprochen nur zu dem Zweck, letzteren Zeit zu
lassen, sich genügend mit Sklaven zu versehen (Mr. Dundas,
Parliam. Debates, auch Bandinell, S. 102).
Der Beschlufs des Unterhauses wurde aber nicht zum
Gesetz; denn das Oberhaus nahm ihn nicht an. Hier safsen
die Vertreter des Großkapitals, die ihr Vermögen in Sklaven
schiffen und in den westindischen Zuckerplantagen angelegt
hatten und durch die Abolition zu allererst in Mitleidenschaft
gezogen wären.
Infolgedessen war 1792 praktisch ein gewisser Abschlufs
der ganzen Bewegung erreicht. Man konnte nicht hoffen, die
Lords in absehbarer Zeit umzustimmen ; die Untersuchung,
zu der wenigstens sich das Oberhaus herbeigelassen hatte,
konnte die Sache ins endlose verlängern. Dazu kam, dafs
das Abolitionskomitee wichtige Zeugen und Mitkämpfer durch
den Tod verlor. Das Schlimmste aber war der Ausbruch
des Krieges mit der französischen Republik im Frühjahr 1793.
Ler Einflufs der Männer, die in Frankreich jahrelang für die
Abolitionsidee gestritten hatten, war dadurch lahm gelegt. Die