Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

Gemäfs  der  denkwürdigen  Entscheidung  des  Papstes
Alexander  VI.  im  Jahre  1493  sollte  für  ewige  Zeiten  den
Spaniern  die  westliche,  den  Portugiesen  die  östliche  Welt,  zu
der  Afrika  rechnete,  gehören.  Damit  hätte  Portugal  für  immer
das  Monopol  im  Sklavenhandel  besessen.  Indessen  ist  bekannt, ­
  wie  bald  die  aufkommende  holländische  und  britische
Seemacht  jene  portugiesische  Domäne  durchbrachen.  Vornehmlich ­
  hatte  es  England  im  Laufe  des  18.  Jahrhunderts
verstanden,  sich  zum  Besitzer  der  für  den  Sklavenhandel  belangreichsten ­
  Positionen  in  Afrika  aufzuschwingen.  Die  besten
Küstenstriche  mit  den  bevölkertsten  Hinterländern,  den  kräftigsten, ­
  fügsamsten  und  brauchbarsten  Negerstämmen  gehörten
ihm.  Sie  sicherten  ihrem  Besitzer  eine  grofse  Überlegenheit
gegenüber  allen  übrigen  mit  Sklaven  handelnden  Nationen  zu.
Letztere,  Holland  und  Portugal  ausgenommen,  besafsen  bis
1783  nur  einen  kümmerlichen  Anteil  an  der  Küste  des  schwarzen
Erdteils.  Seitdem  aber  wurde  es  anders.  Die  im  Zusammenhang ­
  mit  der  nordamerikanischen  Rebellion  ausbrechenden
Kriege  mit  Frankreich,  Spanien  und  Holland  führten  den  Umschwung ­
  herbei.  Die  Abtretungen,  zu  denen  sich  England
1778  und  1783  in  Afrika  verstehen  mufste,  machten  seine
Rivalen  unabhängig  von  den  britischen  Sklavenlieferungen  und
gaben  ihnen  die  Möglichkeit,  fortan  einen  eigenen  Negerhandel
zu  betreiben  oder  den  bereits  vorhandenen  auszudehnen.  Vornehmlich ­
  konnte  Spanien  jetzt  endlich  daran  denken,  seinen
alten  Wunsch  zu  verwirklichen,  sich  von  den  fremden  Sklavenlieferungen ­
  zu  befreien.  Solange  es  in  Afrika  keine  Besitzungen ­
  hatte,  besafs  es  auch  keinen  nationalen  Sklavenhandel. ­

Bereits  im  Friedensschlufs  zu  Pardo,  am  24.  März  1778,
wurden  den  Spaniern  die  Inseln  Annabon  und  Fernando  del
Po  abgetreten  und  ihnen  die  Freiheit  gewährt,  an  den  gegenüberliegenden ­
  Küsten  bei  den  Flüssen  Ga  bean,  Camerones,
Domingo  und  beim  Kap  Formoso  Neger  einzuhandeln  (Seil,
S.  41).  Im  Friedensschlufs  zu  Versailles  1783  wurden  auch
den  französischen  Besitzungen  an  der  afrikanischen  Küste  beträchtliche ­
  Erweiterungen  zugestanden.  Frankreich  bekam  neu
hinzu  die  bisher  britischen  Stationen  St.  Louis  und  G  orée,
das  Fort  Sénégal,  ferner  Rufisque,  Joal,  Portudal,  Albreda,
die  Iles-Idoles  bei  Sierra  Leone  und  vor  allem  Anteil  am
Handel  von  Altkalabar,  Neukalabar  und  in  Bonny  an  der  Mündung ­
  des  Niger  (Seil,  S.  54  ff.).  Letztere  beiden  Plätze  hatten
bei  weitem  den  gröfsten  Umsatz  an  der  ganzen  Küste;  denn
sie  lieferten  jährlich  14500  Sklaven  von  insgesamt  74000,
welche  nach  offiziellen  Angaben  von  den  europäischen  Stationen
damals  verschleppt  wurden  (Report  1789,  I,  Mr.  Norris,  auch
Southey  III,  S.  32).  An  diesen  sowie  an  denjenigen  Stationen,
die  sie  von  früher  her  besafs,  hob  die  französische  Regierung
            
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