Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

XXV  1.

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Weifse  nur  210000  Sklaven  gegenüber.  Auf  den  französischen
Inseln  waren  die  Sterbliclikeitsverhältnisse  wesentlich  ungünstiger ­
  als  auf  den  britischen  (Report  1789,  V).  Man
schätzte,  dais  von  den  Importen  1 /a  innerhalb  dreier  Jahre
stürbe,  und  dafs  von  den  Kreolen  jährlich  Vs  mehr  starben,
als  geboren  wurden,  während  die  jährliche  Verminderung  auf
Jamaika  nur  1 Uo  °/o  betrug  und  auf  einigen  Inseln  die  Bevölkerung ­
  sich  ohne  Importe  hielt“  (Brougham  II,  S.  100  ff.).
Ganz  abgesehen  davon  hatten  die  blutigen  Negeraufstände
auf  Domingo  und  Guadeloupe  seit  1789  die  französischen
Pflanzer  mehr  denn  je  auf  den  Negerhandel  angewiesen.  „The
greatest  devastation  which  the  rebellion  has  occasioned,  is  in
the  numbers  of  the  negroes,“  sagt  Brougham  (II,  S.  111).  Die
Menschen  Verluste  schätzte  er  auf  die  Hälfte  der  früheren  Bevölkerung ­
  (S.  123).  Malouet  berechnet  den  Rückgang  der
Bevölkerung  infolge  der  Revolution  von  500000  Sklaven  auf
300000!  (ebendort).  Labourie  meint,  (Coffee  Planter,  Appendix, ­
  Art.  X,  §  12)  „die  Zahl  der  Sklaven  habe  1797  die  Hälfte
von  der  im  Jahre  1789  betragen“;  Br.  Edwards  schätzt  sie
sogar  nur  auf  2 /s!  (ibid,  bei  Brougham).  „All  the  plantations,
therefore,  must  be  extremely  understocked“  (Brougham  II,
S.  112).  Nur  durch  jahrelange  Importe  wäre  es  möglich  gewesen, ­
  die  durch  den  Krieg  gerissenen  Lücken  zu  füllen  und
den  Inseln  ihren  früheren  Wohlstand  wiederzugeben.  Folgende
Worte  des  Earl  of  Lauderdale  (H.  o.  L.,  0.  Febr.  1807)  brachten
das  grundverschiedene  Interesse  Englands  und  Frankreichs
in  dieser  Frage  treffend  zum  Ausdruck:  „That  England  with
her  colonies  well  stocked  with  negroes  and  affording  a  large
produce,  might  abolish  the  trade  without  inconvience  ;  but  that
France  with  colonies  ill  stocked  and  deficient  in  produce,
could  not  abolish  it  without  conceding  to  us  the  greatest  advantages ­
  and  sustaining  a  proportionate  loss!“
Für  die  ausländischen  Kolonien  war  der  Sklavenhandel
eine  Lebensfrage,  eine  absolute  Notwendigkeit.  Für  Großbritannien ­
  war  er  entbehrlich.  —
Fünfter  Teil.
Die  Unrentabilität  des  Sklavenhandels.
a)  An  der  afrikanischen  Küste.
Die  für  den  Sklavenhandel  so  unglücklichen  Folgen  des
Friedens  von  Versailles  im  Jahre  1783  lassen  sich  mit  gleicher
Deutlichkeit  auch  direkt  an  den  afrikanischen  Handelsbeziehungen ­
  Englands  nachweisen.  Der  Sklavenhandel,  der
bisher  zu  den  einträglichsten  Geschäftszweigen  gezählt  hatte,
begann  unrentabel  zu  werden.  Wir  verfolgen  diese  Entwicklung ­
  zunächst  an  der  afrikanischen  Küste.
            
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