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das Monopol erhalten, Südamerika mit Sklaven zu versehen,
war aber, dank ihrer völligen Unkenntnis des afrikanischen
Marktes, auf englischen Beistand angewiesen. Ihre wenigen,
etwa sechs Schiffe empfingen in Liverpool und Bristol ihre
Ausrüstung, liefen dann unter englischer Flagge nach der
Küste und brachten von dort 3—4000 Neger nach Buenos
Ayres. Der Handel hörte aber schon nach zwei Jahren wieder
auf. Dieser Anteil war der letzte Überrest von dem einst
maligen stolzen Assientohandel. Man darf indessen nicht ver
gessen, dafs bei der ungeheuren Ausdehnung der Küsten des
spanischen Kolonialreiches die Regierung zu Madrid nicht im
stande war, ihren Gesetzen Achtung zu verschaffen. Der
Schleichhandel blühte wie in den französischen Kolonien üppig
und wurde in dem 1795 ausbrechenden Kriege mit England
von den spanischen Behörden in Amerika halb und halb legi
timiert, wenigstens begünstigt, weil die Einfuhr von Negern
den spanischen Pflanzern zu grofse Vorteile bot. Die eng
lische Regierung allerdings hatte sich mittlerweile zu der an
deren, Seite 40 ff. auseinandergesetzten Ansicht bekehrt. Sie
erlaubte seit 1798 Sklavensendungen in die spanischen Kolonien
nur noch unter der Bedingung, dafs mit den Sklaven gleich
zeitig eine gehörige Menge britischer Manufakturartikel ein
geschmuggelt wurden (siehe Wilberforce, H. o. C., 2. Mai 1800).
Dafs auch die Spanier kein Mittel unversucht liefsen, den
Engländern ihre Geschäftsgeheimnisse im Sklavenhandel ab
zulauschen, bezeugt der Report 1789, VI. Spanische Agenten
hielten sich zum Studium des Handels, der Ausrüstung der
Schiffe, der Auswahl der Tauschwaren und sonstigen Ge
bräuche in englischen Häfen auf. Wie seitens der fran
zösischen, ergingen auch von seiten der spanischen Regierung
glänzende Anerbietungen an britische Handelshäuser, Offiziere,
Schiffsärzte usw., nach Cadix zu kommen und dort die Leitung
spanischer Afrikafahrer zu übernehmen. —
Die übrigen Kolonialstaaten zeigten sich England gegen
über ebenso zurückhaltend. Die Vereinigten Staaten hatten
in der Hauptsache durch die Non-Importation-Akte von 1774
englische Sklavenlieferungen untersagt. Seit dem Friedens-
schlufs 1783 hatte sich die Negereinfuhr in die Union über
haupt in mäfsigen Grenzen gehalten, so dafs man glauben
konnte, „der Kampf um die Freiheit des Sklavenhandels bis
1808 sei umsonst geführt worden“ (von Halle, S. 40 ff, auch
Burghardt, S. 40). Portugal entnahm keinen einzigen Sklaven
aus englischen Händen (Brougham I, S. 532), liefs in Brasilien
nur portugiesische Schiffe zu (Posselts Anm. 1800 Nov. 4. Stück)
und besorgte seinen umfangreichen Sklavenhandel — jährlich
gegen 20000 Stück — selbst (Rep. 1789, VI, unter „Portu
gal“). Ebenso energisch verschlofs Holland seine Kolonien,
obwohl sein Sklavenhandel seit der amerikanischen Revolution