Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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das Monopol erhalten, Südamerika mit Sklaven zu versehen, 
war aber, dank ihrer völligen Unkenntnis des afrikanischen 
Marktes, auf englischen Beistand angewiesen. Ihre wenigen, 
etwa sechs Schiffe empfingen in Liverpool und Bristol ihre 
Ausrüstung, liefen dann unter englischer Flagge nach der 
Küste und brachten von dort 3—4000 Neger nach Buenos 
Ayres. Der Handel hörte aber schon nach zwei Jahren wieder 
auf. Dieser Anteil war der letzte Überrest von dem einst 
maligen stolzen Assientohandel. Man darf indessen nicht ver 
gessen, dafs bei der ungeheuren Ausdehnung der Küsten des 
spanischen Kolonialreiches die Regierung zu Madrid nicht im 
stande war, ihren Gesetzen Achtung zu verschaffen. Der 
Schleichhandel blühte wie in den französischen Kolonien üppig 
und wurde in dem 1795 ausbrechenden Kriege mit England 
von den spanischen Behörden in Amerika halb und halb legi 
timiert, wenigstens begünstigt, weil die Einfuhr von Negern 
den spanischen Pflanzern zu grofse Vorteile bot. Die eng 
lische Regierung allerdings hatte sich mittlerweile zu der an 
deren, Seite 40 ff. auseinandergesetzten Ansicht bekehrt. Sie 
erlaubte seit 1798 Sklavensendungen in die spanischen Kolonien 
nur noch unter der Bedingung, dafs mit den Sklaven gleich 
zeitig eine gehörige Menge britischer Manufakturartikel ein 
geschmuggelt wurden (siehe Wilberforce, H. o. C., 2. Mai 1800). 
Dafs auch die Spanier kein Mittel unversucht liefsen, den 
Engländern ihre Geschäftsgeheimnisse im Sklavenhandel ab 
zulauschen, bezeugt der Report 1789, VI. Spanische Agenten 
hielten sich zum Studium des Handels, der Ausrüstung der 
Schiffe, der Auswahl der Tauschwaren und sonstigen Ge 
bräuche in englischen Häfen auf. Wie seitens der fran 
zösischen, ergingen auch von seiten der spanischen Regierung 
glänzende Anerbietungen an britische Handelshäuser, Offiziere, 
Schiffsärzte usw., nach Cadix zu kommen und dort die Leitung 
spanischer Afrikafahrer zu übernehmen. — 
Die übrigen Kolonialstaaten zeigten sich England gegen 
über ebenso zurückhaltend. Die Vereinigten Staaten hatten 
in der Hauptsache durch die Non-Importation-Akte von 1774 
englische Sklavenlieferungen untersagt. Seit dem Friedens- 
schlufs 1783 hatte sich die Negereinfuhr in die Union über 
haupt in mäfsigen Grenzen gehalten, so dafs man glauben 
konnte, „der Kampf um die Freiheit des Sklavenhandels bis 
1808 sei umsonst geführt worden“ (von Halle, S. 40 ff, auch 
Burghardt, S. 40). Portugal entnahm keinen einzigen Sklaven 
aus englischen Händen (Brougham I, S. 532), liefs in Brasilien 
nur portugiesische Schiffe zu (Posselts Anm. 1800 Nov. 4. Stück) 
und besorgte seinen umfangreichen Sklavenhandel — jährlich 
gegen 20000 Stück — selbst (Rep. 1789, VI, unter „Portu 
gal“). Ebenso energisch verschlofs Holland seine Kolonien, 
obwohl sein Sklavenhandel seit der amerikanischen Revolution
	        
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