Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

Karthago,  Provinzen.

97

suchten  sie  besonders  Metalle  zu  erlangen.  Eine  der  reichsten  Städte
der  Welt,  konnte  es  Karthago  mit  allen  Staaten  aufnehmen,  standen ­
  doch  dieser  Stadt  ungeheure  Einkünfte  zur  Verfügung.  Daß
Karthago  auf  Grund  der  Friedensverträge  überaus  große  Summen
nach  Nom  ohne  allzu  große  Schwierigkeiten  zahlen  konnte,  charakterisiert ­
  diesen  Reichtum  am  besten.  Ta  Karthago  die  unterworfenen ­
  Gebiete  nicht  dem  Staatsverbande  einzugliedern  suchte,  wie
dies  Rom  gern  tat,  war  seine  Herrschaft  lange  nicht  so  gefestigt.
Am  wenigsten  zeigten  sich  die  Mängel  der  Staats-  und  Heeresverfassung ­
  auf  dem  Gebiete  der  Marine,  da  hier  in  erster  Reihe
die  Schiffe  entscheidend  waren,  die  selbst  jenen  der  Griechen,  selbstverständlich ­
  jenen  der  Römer  vor  dem  Beginn  der  Punischen  Kriege
in  allen  Stücken  überlegen  waren.
Der  Zusammenstoß  zwischen  Rom  und  Karthago  führte  zu
Kämpfen,  die  mehr  als  hundert  Jahre  in  Anspruch  nahmen.  In
dieser  Zeit  wurde  Rom  immer  mehr  in  die  Händel  des  ganzen
Mittelmeerbeckens  verwickelt.  Nachdem  einmal  die  Grenzen
Italiens  überschritten  waren,  gab  es  kein  Halten  mehr.  Zunächst
suchte  Rom,  nachdem  es  im  3.  Jahrhundert  in  Sizilien  die  erste
Provinz  erworben  hatte,  in  der  Zölle  und  Steuern  erhoben  wurden
(Appian,  Sizitische  Geschichte  2),  noch  in  Italien  selbst  sich  weiter
auszudehnen  und  in  der  durch  ihre  Fruchtbarkeit  berühmten  (Cicero,
über  den  Staat  III,  15)  Poebene  festzusetzen,  dann  aber  kümmerte
man  sich  bereits  um  die  illyrischen  Seeräuber,  schützte  Griechenstädte, ­
  rückte  in  Mazedonien  ein,  okkupierte  im  weitern  Verlauf  der
Kämpfe  mit  Karthago  am  Anfang  des  2.  Jahrhunderts  Spanien
und  verkündete  gleichzeitig  die  Freiheit  der  Griechen.  Krieg  auf
Krieg  mit  den  hellenistischen  Reichen  folgte,  bis  schließlich  die  römische ­
  Macht  von  Spanien  bis  nach  Mesopotamien,  von  Nordafrika ­
  bis  nach  Britannien  reichte.  Zwar  gab  es  unter  den  leitenden ­
  Staatsmännern  zur  Zeit  der  Punischen  Kriege  solche,  welche
die  Einrichtung  von  Provinzen  gern  vermieden  hätten,  sie  konnten
aber  die  Entwicklung  nur  hemmen,  nicht  aufhalten.  Darunter  litt
freilich  die  einst  so  straff  organisierte  römische  Einheit,  Bürgerkriege ­
  erschütterten  fast  alle  Länder  des  Mittelmeeres.  Auch  die
Rechtssicherheit  innerhalb  des  Reiches  konnte  zuweilen  nur  unter
Anwendung  schärfster  Gewaltmittel  behauptet  werden.  So  konnten
die  staatsmäßig  organisierten  Seeräuber  Kretas  und  Ziliziens  nur
nach  langjährigen  Kämpfen  gebändigt,  ebenso  die  Sklavenaufstände
nur  durch  bedeutende  Feldherrn  niedergeworfen  werden.  Die
ANuG  258:  Neurath,  antike  Wirtschaftsgeschichte.  7
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.