122 Siebentes Kapitel. Das römische Reich als Wirtschaftskörper.
Import aus dem Westen statt, und die Krim exportierte z. B.
zu Strabos Zeiten kein Getreide mehr wie ehedem (Strabo, Geo
graphie VII, 4). Hingegen spielte das pontische Vieh eine wichtige
Rolle, auch wurden andauernd Sklaven in großen Mengen (Taci
tus, Annalen XII, 17) aus dem Gebiet des Schwarzen Meeres
nach dem Westen exportiert (Polybius IV, 38). Die eingesalzenen
Fische bildeten stets einen wichtigen Handelsartikel (S. 32), denn
das Meer spendete immer reichen Segen (Dio v. Prusa XXXV, 25).
Der Westen importierte vor allem Wein und Öl und wie seit jeher
Jndustrieartikel aller Art, besonders Textilwaren und Luxusgegen
stände (Polybius IV, 38).
Kleinasien hat auch in der Römerzeit im großen und ganzen
seine wirtschaftliche Struktur gewahrt, viele wohlhabende Städte
zogen sich längs der Küste hin und waren im Binnenland verteilt,
die Stadtstaatenentwicklung der griechischen Zeit und die Erweite
rungen und Neugründungen der hellenistischen Periode hatten in
diesem Bereich nicht zur Schaffung alles beherrschender Metropolen
geführt. Hervorragende Städte wie Ephesus, Pergamum, Magnesia,
Smyrna, Tarsus waren einander ungefähr gewachsen und lagen
dauernd miteinander in Streit (Dio v. Prusa XXXIV, 27). Eine
alte Kultur bewahrte den kleinasiatischen Städten den Wohl
stand bis tief in die Kaiserzeit hinein, wenn auch die Piraten
den Handel überaus geschädigt (S. 97) und die Bürgerkriege die
Finanzen schrecklich in Verwirrung gebracht hatten. Die kleinasia
tischen Städte kamen zum Bankerott, aber sie erholten sich bald
wieder. Weit besser als ein uneingestandener Bankerott erwies sich
hier der einmal zugestandene und glatt durchgeführte. Nur das
stolze Rhodus hatte auf das Recht verzichtet, von dem durch Rom
angeordneten Schuldennachlaß Gebrauch zu machen (Dio v. Prusa
XXXI, 67), der wegen Zahlungsunfähigkeit gewährt wurde (Dio
v. Prusa XXXI, 69), und suchte zugleich seinen Kredit so noch
fester zu gründen, während die andern Städte davon Gebrauch
machten. Erst die beginnende Völkerwanderung hat wie an so vielen
Stellen auch hier nicht nur den Reichtum, sondern auch seine Quellen
vernichtet. Der Reichtum Kleinasiens war mehr durch die Über
lieferung der kommerziellen und industriellen Einrichtungen gesichert
als durch die Vorkehrungen des römischen Reiches. Die Straßen
bauten erfolgten auch hier mehr zu militärischen als zu merkantilen
Zwecken. Auch sonst mischte sich die Regierung nicht allzuviel ein
und überließ die Städte ihrem Treiben, solange sie die recht hohen