Full text: Antike Wirtschaftsgeschichte

Colonat, Pächter. 
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unterstützen, aber auch dies wirkte oft nur auf einige Zeit und 
garantierte trotzdem dem Pächter noch immer nicht einen sicheren 
Ertrag, war er dach von den verschiedenen Umständen wie Wetter 
und Marktlage abhängig. Derartige Zufälle konnte nur der wirt 
schaftlich Starke überstehn, indem er in den schlechten Jahren aus 
Eigenem zusetzte, in guten hingegen den Verlust wieder einbrachte. 
Da nun, wie wir sahen, die Pächter wirtschaftlich geschwächt waren, 
konnte keine Unterstützung ihre Position dauernd verbessern. Nur 
wenn der wirtschaftlich stärkere Grundeigentümer das Risiko mit 
trug, konnte der Pächter einigermaßen existieren, was nun viel 
fach in der Weise geschah, daß die Verträge nicht mehr auf feste 
Geldsummen, sondern auf Ertragsanteile geschlossen wurden (Pli- 
nius, Briefe IX, 37). Freilich ein Heilmittel war diese Einführung 
allein nicht, wenn der Ertragsanteil, der dem Pächter blieb, so 
klein wurde, daß dieser kaum zu existieren vermochte. Dies trat 
denn auch schließlich ein, und selbst bei Verträgen auf Anteil an 
der Ernte war die Landflucht überaus verbreitet. Um die dadurch 
drohende Entvölkerung des flachen Landes zu verhüten, wurden 
neben den angedeuteten Mitteln noch weitere zur Anwendung 
gebracht. Wie man ehedem durch Freigabe der Okkupatron An 
siedler anzulocken gesucht hatte, so bestimmte in der Kaiserzeit 
am Ende des 2. Jahrhunderts z. B. Kaiser Pertinax, daß jeder 
mann unbebautes Land okkupieren dürfte. Der Besteller sollte 
Eigentümer werden und ihm Steuerfreiheit auf 10 Jahre gewährt 
sein (Herodian, Kaisergeschichte II, 4). Auch suchte man es, z. B. 
zur Zeit des Tiberius, zu erzwingen, daß Leute einen Teil ihres 
Vermögens in Grundstücken anlegten (Tacitus, Annalen VI, 23). 
Die Verödung des römischen Reiches war trotzdem in rapider 
Zunahme begriffen. Wie sehr die Steuerkrast gesunken war, kann 
man aus den großen Steuernachlässen entnehmen, die z. B in 
Rom Marc Aurel (Dio Cassius LXXI, 32) und Hadrian (Dio 
Cassius LIX, 8) gewährten. Von dem allgemeinen Niedergang 
wurde schließlich Sizilien ebenso ergriffen wie Spanien. Am gün 
stigsten waren noch jene Gegenden daran, die eine entwickeltere 
Industrie besaßen, wie Unteritalien, Kleinasien und Syrien, ob 
zwar auch dort bald genug der Niedergang sich fühlbar zu machen 
begann. 
Während man zu Beginn der Kaiserzeit gegen die politischen Ver 
einigungen sehr energisch vorging (S. 100) scheint manden Hand 
werkervereinigungen im allgemeinen keine Schwierigkeiten
	        
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