Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

140  Achtes  Kapitel.  Ausbau  und  Ende  der  antiken  Weltwirtschaft.
ersten  Hälfte  des  2.  Jahrhunderts  stellten  die  Provinzen  selbst
ihre  Truppenkörper  auf.  In  immer  steigendem  Maße  wurden
die  auf  dem  flachen  Lande  angesiedelten  Barbaren  die  eigentliche
Armee,  sie  waren  die  Retter  des  Vaterlandes,  die  Hüter  der  Ordnung ­
  im  Innern.  Das  Ende  war  eine  wüste  Herrschaft  der  unbotmäßigen ­
  Truppen,  gelegentlich  gezügelt  durch  überragende  Intelligenzen. ­
  Selbst  die  Neuorganisation  durch  Diocletian  konnte
dem  nicht  Halt  gebieten,  das  Volk  war  schließlich  seiner  Armee
ausgeliefert:  Rom  den  Barbaren.
Die  Zahl  der  Sklaven  ging  in  der  Kaiserzeit  zurück,  da  die
Grenzkriege  meist  keine  großen  Erträge  lieferten  und  in  den  großen
Sklavenkriegen  sehr  viel  Sklaven  getötet  worden  waren.  Von  Eroberungen, ­
  wie  sie  in  der  Republik  möglich  waren,  konnte  nicht
mehr  die  Rede  sein.  Da  aber  in  den  Zeiten  der  Republik  sich  alles
an  den  Sklavenbetrieb  in  erheblichem  Ausmaß  gewöhnt  hatte,  suchte
man  sich  zunächst  in  irgendeiner  Weise  zu  helfen.  Es  wurden
Reisende,  Sklaven  und  Freie  auf  offener  Straße  überfallen  und
weggeschleppt.  Ja,  es  bildeten  sich  ganze  Banden,  die  sich  daraus
ein  einträgliches  Geschäft  machten  (Sueton,  Augustus  32).  Auch
kam  es  vor,  daß  sich  Leute  freiwillig  in  die  Sklaverei  begaben,  um
dem  Kriegsdienst  zu  entgehen.  Gegen  diese  Mißbräuche  schritten
sowohl  Augustus  als  auch  Tiberius  ein  (Sueton,  Tiberius  8).
Die  Abnahme  der  Sklavenbestände  wurde  auch  durch  die  zahlreichen ­
  Freilassungen  bewirkt,  die  eigene  Gesetze  einzuschränken
suchten  (Gaius  I,  42  ff).  So  wurde  z.  B.  die  testamentarische
Freilassung  auf  höchstens  100  Sklaven  beschränkt.  Dagegen  waren
die  Fälle,  wo  volle  Unfreiheit  durch  Unterjochung  entstand,  nicht
entsprechend  zahlreich,  wenn  es  auch  sehr  oft  vorkam,  daß  gewisse
Stämme  ihre  Kinder  (Tacitus,  Annalen  IV,  72)  oder  Freie  sich
selbst  in  die  Sklaverei  verkauften.  Daß  unter  diesen  Umständen
die  Sklavenpreise  stiegen  und  die  Verwendung  von  Sklaven  im
großen  häufig  unrentabel  wurde,  ist  einleuchtend.  Die  Plantagenwirtschaft ­
  mit  großen  Sklavenherden  findet  sich  mit  der  Zeit  nur
noch  vereinzelt,  es  wird  immer  häufiger,  daß  man  auf  großen
Gütern  sich  mit  freien  Pächtern  und  freien  Arbeitern  hilft,  zumal
zuweilen  gar  keine  Sklaven  aufzutreiben  sind  (Plinius,  Briefe  HI,
19).  Nachdem  die  Einführung  der  Sklaven  in  den  Wirtschaftsbetrieb ­
  im  großen  Stil  die  Bauern  zugrunde  gerichtet  hatte,  ging
die  Sklavenzahl  regelmäßig  zurück.  Sehr  häufig  wurden  Sklaven
und  Freie  in  ungefähr  der  gleichen  Anzahl  beschäftigt  (Varro,
            
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