142 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft.
geben; er wies darauf hin, daß nicht einmal Tiere, ja überhaupt kein
beseeltes Wesen einfach beiseite geworfen werden dürfe, weil es un
brauchbar geworden sei (Plutarch, Kato der Ältere 5). Die Anerken
nung des Menschentums im Sklaven war zum Teil auch durch jene
Strömungen in der antiken Philosophie bedingt, die alle Lebewesen
als eine große Familie anzusehen geneigt waren. Die in Griechenland
konstatierte Trennung der Sklaven in zwei Klassen (S. 73) trat
auch in Rom ein. Die höher gebildeten Sklaven entwickelten sich
zu Beamten und Angestellten und bildeten zum Teil die erziehende
Intelligenz. Die Direktion des Münzamts und der Zollverwaltung
wurde z. B. von Cäsar zum Teil durch Freigelassene und Sklaven
besetzt, wodurch die persönliche Beziehung des Herrschers zu diesen
wichtigen Instituten so recht zum Ausdruck kam (Sueton, Cäsar 76).
Es entwickelte sich ein neuer Stand von Beamten aus Sklavenblut,
ein Vorgang, der sich in der mittelalterlichen Geschichte wieder
holte. Die Verwendung der höheren Sklavenkategorien in der an
gegebenen Weise blieb in der Kaiserzeit nicht immer bestehen, wohl
aber war ihr Einfluß immer ein großer. Sie waren dann nicht
mehr Beamte, sondern Kämmerer oder ähnliches. Diese Schicht
der hochentwickelten Sklaven und Freigelassenen trug mit dazu
bei, die Anschauungen über die Sklaverei überhaupt wesentlich
zu modifizieren (Plinius, Briefe VIII, 16). Daß aber auch recht
tiefstehende Sklavenkategorien keineswegs immer eine gedrückte
Stellung innehatten, kann man daraus entnehmen, daß sie ähnlich
wie in Athen zu Polizeisoldaten verwendet wurden (Plinius, Briefe X,
30 f.), die auch besoldet wurden (Plinius, Briefe X, 40), wie denn
überhaupt die Sklavenbesoldung vielfach eingeführt war, auch unter
schied sich ihre persönliche Stellung vielfach nur tvenig von den
Freien, wenn der Herr ihre Testamente, ihre Schenkungen usw.
im Bereich des Hauses respektierte (Plinius, Briefe VIII, 16).
Die Sklaven des Geld- und Handelsstandes waren wirtschaftlich
Unternehmer, die mit Kredit arbeiteten. Sie und die Freigelassenen
gleicher Kategorie waren eben vielfach nicht viel abhängiger von
ihrem Herrn als heute eine Gastwirtschaft, die von der Brauerei
Gnaden besteht. Durch ihre Reichtümer zwangen mit der Zeit die
Freigelassenen die vornehmsten Familien, ihnen ihre Töchter zu
Weibern zu geben, wodurch allmählich eine ganze Klasse von Em
porkömmlingen entstand, die nicht immer die günstigsten Charakter
eigenschaften aufwiesen. Ein großer Teil dieser Freigelassenen
widmete sich dem Handwerk, und da sie sich als Sklaven oft etwas