144 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft.
geführt haben, weil der Staatshaushalt dadurch empfindlich ge
stört worden wäre. Aber schließlich wurde die Verpachtung viel
fach in den Hintergrund gedrängt, wobei die direkte Erhebung der
Grundsteuer zunahm. Entsprechend der ganzen Umwandlung der
römischen Wirtschaftsverhältnisse gegen Ende der Kaiserzeit, wur
den die Steuern wieder in natura erhoben, und zwar nicht nur
die Grundsteuer, sondern alle möglichen Abgaben. Die Leistungen
wurden in den verschiedensten Gegenständen, Nahrungsmitteln,
Rohstoffen und Ganzfabrikaten festgesetzt. Die Rohstoffe z.B. wurden
zum Teil für die Staatsfabriken, so die Tuchfabriken verwendet,
die von großer Bedeutung waren und erhebliche Einnahmen sicher
ten. Die Spezifikation der Naturalsteuern entsprach den Leistungen
des Staates an seine Bürger, die ebenfalls spezifiziert erfolgten.
So erhielten gegen das Ende der Kaiserzeit die Beamten Hunderte
von Gegenständen zugewiesen, von den Lebensmitteln und den
Tragtieren an bis zu den Schnallen und Beischläferinnen aus der
Menge der Gefangenen. Während manche Gegenden Fleisch an
die Fleischerkorporation zu liefern hatten, andere Getreide an die
Bäckerorganisation, mußten wieder bestimmte Organisationen Sättel,
Kleider usw. an die Armeeverwaltung abführen. Es kehrten Ver
hältnisse wieder, die in Ägypten ein blühendes und mächtiges
Staatswesen ermöglichten, während sie hier den Untergang nicht
aufzuhalten vermochten. Die eben geschilderte Tendenz, die Kor
porationen für die Steuer haftbar zu machen, führte allmählich
dazu, daß überhaupt die eigentlichen Steuerträger nicht mit dem
Staate zu tun hatten, sondern nur mit ihren Genossenschaften.
Da überdies die Einflußnahme des einzelnen auf die Höhe der
Steuer fehlte, mußte der Druck besonders erbittern. Wir sahen
bereits oben (S. 133), daß man sich vielfach der Last auf alle nur
mögliche Weise zu entziehen suchte, und trotz aller Zwangsmittel —
man scheute sogar vor der Prügelstrafe nicht zurück — kam es in
manchen Distrikten geradezu zu Massendesertionen der Steuer
pflichtigen. Sonst war alles mit Leistungen verknüpft, so mußte
man z. B. bei Amtsübernahme Zahlungen leisten (Plinius, Briefe X,
113). Alle diese Vorkehrungen kreuzten sich mit andern Bestre
bungen der Regierungen, Ordnung in das Wirtschaftsleben zu
bringen. Während man auf der einen Seite schließlich dazu kam,
die Naturalwirtschaft wieder einzuführen, wollte man auf der
andern die Geldwirtschaft regulieren, und zwar durch das auch
in der neueren Wirtschaftsentwicklung anzutreffende Mittel der