146 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft.
in die Politische Leitung, das Fehlen einer eigentlichen Volksver
tretung hat wesentlich mit dazu beigetragen, den Untergang zu
beschleunigen. Die Gemeinden wurden im Finanzorganismus auch
insofern immer stärker belastet, als man ihnen viele Leistungen,
für die sonst der Staat aufkommen mußte, zuschob.
Der ganze Prozeß der Umwandlung der G eldwirt s ch aftin eine
Naturalwirtschaft wurde gegen die Mitte des 4. Jahrhunderts
im Osten wieder einigermaßen zum Stehen gebracht, und das byzan
tinische Reich hat sich im wesentlichen geldwirtschaftlich entwickelt,
während im Westen der naturalwirtschaftliche Einschlag von
größerer Bedeutung war und besonders auf kirchlichem Boden die
Eigenproduktion von Gebrauchsgegenständen zunahm.
Die Fürsorge der Kaiser, des Staates und der Gemeinden für
Bildung und Erziehung stand, wie im Altertum überhaupt,
meist hinter den Aufwendungen für Spiele, Bäder, Theater (Mo
nument v. Ancyra 22) usw. zurück. Die Ausgaben für die Spiele
waren vielfach im Stadtrecht selbst festgelegt (Stadtrecht v. Urso
70 ff.). Ein Teil dieser Ausgaben wurde freilich durch Privatleute
bestritten, die Schulen und Museen vielfach auf eigene Kosten der
Allgemeinheit zur Verfügung stellten, wie ja auch heute z. B.
die reichen Amerikaner für Unterrichtsanstalten viel tun. Ebenso
wie die Beamten der Republik sorgten die Kaiser und der Staat
für Spenden und Gaben aller Art (Monument v. Ancyra 14 ff.).
Die Pensionen an die Soldaten, die vor allem Augustus geregelt
hatte, wurden lange Zeit aus einer eigenen Kasse bestritten, die
zum Teil durch die Erbschaftssteuer gefüllt wurde (Dio Cassius
XV, 25). Die Stiftungen für Kinder armer Leute kamen bei der
Verschlechterung der Finanzen im 3. Jahrhundert in Vergessen
heit, so daß Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert neuerlich
eingreifen mußte. (S. 139.)
Die Geldverhältnisse waren zu dieser Zeit überaus wirr. Der
starke Metallabfluß nach dem Osten, der im Zunehmen begriffen
war, sowie der Rückgang der Edelmetallproduktion hatte mit der
Zeit im Mittelmeerbecken einen Mangel an Edelmetall zu Geld
zwecken erzeugt. Der Staat half sich damit, daß er minderwertige
Münzen ausprägte, wodurch die Preise zu einer enormen Höhe
emporschnellten, wodurch er aber mit den Interessen der Expor
teure in Widerstreit kam, für die nur der Metallgehalt der Mün
zen, nicht aber ihr Nennwert von Bedeutung war. Die Wertver-
hältnisse der Münzen waren besonders im Anfang des 4. Jahr-