148 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft.
sich nahmen. Bei ihnen finden wir denn auch jene weltfremden
Gestalten, die den Mönchen und Einsiedlern in gar vielem ver-
lvandt waren; sie waren teils Wirkung, teils mit Ursache der Auf
lösung, wenn sie auch die Stärkung des Pflichtbewußtseins be
wirkten. Wie die Christen wandten sich die Zyniker sowohl an die
unteren wie an die oberen Klassen der Gesellschaft, die sie vielfach
dem Staate abwendig machten. Während aber das Christentum
später einen Übergang zu einem Staatsideal fand, ist dies in
großem Stil den Zynikern nicht gelungen. Solange weite Kreise
noch in Dumpfheit und Unbildung dahingelebt hatten, konnte sich
die Philosophie noch am ehesten für freien, heitern Lebensgenuß
einsetzen, als sich aber in der Kaiserzeit immer mehr Menschen
einem überaus gemeinen Genußleben Hingaben, konnte im allge
meinen nur Abkehr vom Leben noch eines wahren Philosophen
würdig erscheinen. Während in der hellenistischen Epoche noch die
milderen Stoiker die Führung hatten, konnten im 2 Jahrhundert
n. Chr. wieder die Zyniker mit ihren weit schärferen Lehren
zur Geltung kommen. Eine Art Resignation war das Ziel, die
durch den Kosmopolitismus nur wenig geändert wurde, da sie bei
den Zynikern lange nicht jene begeisternde Kraft hatte wie später
im Christentnme. Es war eine schreckliche Sprache, die von Christen
und Heiden geführt wurde, wenn sie Roms Untergang prophe
zeiten, wenn z. B. ein Mann wie Dio von Prusa (XIII, 36) in
gewaltiger Rede Rom mit seinen Schätzen, die aus aller Welt
zusammengehäuft seien, dem Scheiterhaufen verglich, den Achill
seinem Patroklus aufgetürmt hatte aus Holz, Leichen, Gewän
dern und Opferfett, um dann den Wind herbeizurufen, der den
Brand entzünde und hoch auflodern lasse.
So sehen wir allenthalben die Einrichtungen der Antike in
voller Auflösung begriffen, im westlichen Mittelmeerbecken machte
das Altertum neuen Gebilden Platz, die vor allem durch die ger
manischen Völker geschaffen wurden, im Osten dauerte der alte
Staatsorganismus formell fort, er erlitt aber eine tiefgreifende
innere Umbildung. In beiden Hälften blieben noch lange gewisse
Institutionen bestehen, die in des römischen Reiches Herrlichkeit
eine Rolle gespielt hatten, und die einzelnen Machthaber legten
vielfach Gewicht darauf, das Alte zu erhalten und an die Tradi
tionen anzuknüpfen. So haben z. B. im Westen die Getreidespenden
nie ganz aufgehört, und als Theoderich nach langer Zerrüttung
wieder einigermaßen geordnete Zustände geschaffen hatte, sorgte