Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

Christentum.

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sich  auch  allmählich  Autoren,  die  sich  mit  dem  heidnischen  Staat
zunächst  theoretisch  abfanden,  indem  manches  prinzipiell  als  Organisation ­
  zur  Friedensstiftung  gebilligt  wurde,  bis  allmählich  die
Kirche  in  den  Staat  hineinwuchs  und  dann  auch  ein  eigenes
Wirtschaftssystem  bildete.  Aber  dieselben  Autoren,  die  dafür  waren,
sich  der  Friedensordnung  des  Staates  einzufügen,  förderten  auch
manche  Neigung  der  Christen  zu  einem  staatlich  indifferenten  Verhalten. ­
  Man  hatte  der  Stoa  vorgeworfen,  daß  sie  das  Individuum
derart  vom  äußeren  Leid  emanzipiere,  daß  der  Philosoph  den  Tyrannen ­
  ebensowenig  fürchte  wie  etwa  ein  Wahnsinniger.  Auch
vom  Christen  sagte  man,  daß  er  bereit  sei,  furchtlos  der  Staatsgewalt ­
  gegenüberzutreten,  die  so  über  ihn  weniger  Macht  besitze
als  über  die  andern  Untertanen,  wenn  sie  etwas  erzwingen  wolle.
Diese  Fähigkeit  zum  Widerstand  wurde  durch  eine  gewisse  antinationale ­
  Strömung  noch  gefördert.  So  meinte  z.  B.  Augustinus,
daß  es  an  sich  ganz  gleichgültig  sei,  unter  wessen  Herrschaft  man
sich  befinde,  wenn  man  nur  nicht  gezwungen  werde,  etwas  zu  tun,
was  man  verabscheue.  Wenn  der  Wechsel  der  Herren  nicht  durch
Kriege  erfolge,  wäre  an  sich  eigentlich  nichts  dagegen  einzuwenden
(Augustinus,  Von  der  Gemeine  des  Herrn  V,  17).
Die  Organisation  der  finanziellen  Verwaltung  in  der  älteren ­
  Kirche  läßt  sich  mit  der  späteren  kaum  vergleichen.  Erst  handelte
es  sich  im  wesentlichen  um  freie  Beiträge,  die  freilich  nach  einer
gewissen  Ordnung  an  die  Presbyter,  Diakonen  und  Vorleser  zur
Verteilung  gelangten  (Syrische  Didaskalia  9).  Aber  so  entwickelt
auch  vielfach  die  christliche  Gemeindeverwaltung  war,  die  volle
wirtschaftliche  Bedeutung  erlangte  die  Kirche  erst  zu  der  Zeit,  als
sie  seit  dem  4.  Jahrhundert  staatliche  Funktionen  in  größerem
Maßstab  übernahm,  als  Italien  sich  immer  mehr  in  eine  Wüstenei
verwandelte  und  schließlich  im  6.  Jahrhundert  die  Einwohnerzahl
von  Rom  etwa  ein  halbes  Hunderttausend  betrug.  Wenn  auch
um  die  Mitte  des  6.  Jahrhunderts  Justinian  die  Verhältnisse
Italiens  ju  ordnen  sich  bemühte,  so  begann  sich  doch  der  Papst
in  immer  stärkerem  Maße  an  der  Verwaltung  und  Jurisdiktion
in  Rom  zu  beteiligen.  Die  Kirche  verteilte  in  derselben  Weise  Getreide ­
  an  das  Volk,  wie  es  vordem  die  Kaiser  getan  hatten,  oft
gegen  den  Willen  der  Regierung,  die  sich  die  Gewalt  nicht  wollte
entreißen  lassen.  Und  wenn  auch  diese  Getreidespenden  zeitweilig
formell  von  der  Freigebigkeit  eines  Privatmannes,  des  Papstes  abhingen, ­
  so  wurde  dadurch  dennoch  die  kirchliche  Organisation  gestärkt.
            
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