34 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation.
errichtet waren. Die überaus günstige Lage der Rhonelandschaft
fiel bereits den Alten auf, und Strabo, dem wir die obige Schil
derung zum Teil entnahmen, glaubt denn auch ein Werk der Vor
sehung darin erblicken zu müssen (Strabo IV, l). Die Rhone selbst,
sowie ihre schiffbaren Nebenflüsse wurden vielfach zum Transport
verwendet; wo die Flüsse zu reißend waren, brachte man die Waren
zu Wagen stromaufwärts und fuhr mit der vielfach voluminöseren
Rückfracht zu Schiff zur Küste. Von der Rhone aus befuhr man
den Arar (Saône) und Dubis (Doubs), von denen man über schmale
Bergketten zur Seqnana (Seine) und zum Liger (Loire) gelangte,
welche die Fremden zum Kanal und zum Atlantischen Ozean führten.
Von der Nordküste Galliens aus fand der griechische und später
der römische Kaufmann bald seinen Weg nach Britannien. Die
hellenische Kultur verbreitete sich so rasch gegen Norden, zumal
die nördlichen Stämme der Kelten den Kaufleuten freundlicher
gegenüberstanden als die Küstenvölker, zum Teil wohl deshalb,
weil sie eine kriegerische Invasion nicht zu fürchten brauchten.
Nachdem Massalia im Verein mit seinen Kolonien kleinere Kämpfe
mit den Küstenvölkern bestanden hatte, kam es zu Zusammenstößen
mit Karthago, die für Massalia glücklich endeten (S. 37). Mit
Rom begannen im 4. Jahrhundert freundliche Beziehungen, denen
ein reger Handelsverkehr folgte. Diese Freundschaft veranlaßte
auch Massalia im Jahre 218, als Hannibal gegen Rom mar
schierte, das Heer der Karthager zu zwingen, den Weg über die
Alpen zu wählen statt des leichteren längs der Küste. Die Nieder
lage Karthagos bedeutete für Massalia einen neuen Aufschwung,
bis schließlich die römische Kolonisation dauernd Massalia hemmte
(S. 118). Die Schiffer dieser Stadt waren gleich denen der Phokäer
durch ihre Kühnheit berühmt, es war auch ein Gelehrter aus
Massalia — Pytheas — der zur Zeit Alexanders eine Entdeckungs
fahrt in die nordischen Meere unternahm und die nördlichen Küsten
Britanniens und die Germaniens jenseits der Elbe besuchte. Neben
Massalia sind nur wenige Kolonien der kleinasiatischen Griechen
im Westmeer zu finden. Nur die Rhodier, die schon früh eine her
vorragende Seemacht besaßen, konnten im 7. Jahrhundert Gela
auf Sizilien gründen, das selbst nach etwas mehr als hundert
Jahren die Stadt Akragas erbaute.
Die meisten anderen Kolonien in Unteritalien und auf Sizi
lien, die seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts entstanden,
waren europäischen Ursprungs. Hier war die Gelegenheit geboten,