Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

54  Viertes  Kapitel.  Das  griechische  Wirtschaftssystem.
der  Niederwerfung  Athens  durch  Sparta  mit  Emigranten  besiedelt
wurde,  die  in  der  Welt  zerstreut  waren.  Die  Spartaner  benutzten
die  Insel  im  4.  Jabrhundert  vor  allem  dazu,  um  von  dort  aus
die  nach  Athen  fahrenden  Getreideschiffe  abzufangen.  Späterhin
kam  Ägina  unter  mazedonische  Herrschaft,  um  dann  in  den  Achäischen
  Bund  einzutreten,  bis  schließlich  die  Römer  erschienen  (Polybius ­
  IX,  42).
Ähnliche  Kämpfe  hatte  Athen  mehrfach  zu  bestehen.  Die  dadurch ­
  entstandenen  Verwicklungen  führten  zwischen  den  griechischen ­
  Staaten  zu  großen  Kriegen,  von  denen  einige  unter  dem
Namen  des  Peloponnesischen  Krieges  zusammengefaßt  werden.
In  diesen  Kämpfen  wurde  die  Macht  Athens  wesentlich  verringert,
doch  auch  die  Kräfte  der  anderen  Staaten  litten  sehr.  Die  Bildung ­
  eines  Attischen  Reiches  gelang  nicht,  da  Athen  weder  den
einzelnen  Staaten  gleiche  Rechte  mit  sich  einräumen  wollte,  was
zu  einem  Bundesstaat  geführt  hätte,  noch  die  fremden  Bürger  mit
seinen  eigenen  gleichstellen  wollte,  was  möglicherweise  die  Bildung
eines  Einheitsstaates  ermöglicht  hätte.  Die  athenische  Herrschaft
bewirkte  einen  regen  Handel,  den  Athen  teilweise  monopolisierte;
so  besaß  es  z.  B.  das  Handelsmonopol  für  Zinnober  auf  Keos.
Eine  große  Einnahme  erhielt  Athen  aus  den  Zöllen  und  Abgaben,
die  es  im  Bundesgebiet  vertragsmäßig  erhob.  Da  alle  fremden
Jndustrieartikel  leicht  zu  beschaffen  waren,  konnte  sich  Athen  Spezialindustrien ­
  zuwenden.  Die  Industrie  trat  besonders  in  den  Vordergrund, ­
  weil  eine  gesicherte  Bodenbebauung  oft  unmöglich  war,  da
nach  damaligem  Kriegsbrauch  jeder  feindliche  Einfall  die  Vernichtung ­
  der  Ernte  und  vieler  Kulturen  bedeutete,  so  der  Öl-  und
Weinpflanzungen,  deren  Erneuerung  immer  lange  Jahre  dauerte.
Man  sah  im  Gegner  selten  den  späteren  Mitbürger,  Untertanen
oder  Konsumenten,  sondern  meist  nur  den  Konkurrenten,  den  man
möglichst  zu  schädigen  suchte.  Vor  allem  sicherte  sich  Athen  die  Zufuhr ­
  von  Lebensmitteln  aus  Ägypten,  Sizilien  und  dem  Schwarzen
Meer  (Xenophon,  Haushaltungskunst  20).  Diese  Produkte  waren
nur  bei  einem  starken  Export  von  Jndustrieartikeln  zu  erlangen.
Um  den  sich  mächtig  entfaltenden  Handel  zu  fördern,  wendete  Athen
sein  Augenmerk  dem  internationalen  Privatrecht  zu  und  setzte  es
durch,  daß  im  Bereich  des  Bundes  ein  Teil  der  Gerichtsbarkeit
ihm  zugewiesen  wurde.  Aber  wenn  auch  nicht  immer  in  Athen
Recht  gesprochen  wurde,  so  rezipierten  doch  wenigstens  viele  Bundesstaaten ­
  athenisches  Recht,  sei  es  freiwillig,  da  Athen  ein  gut  aus-
            
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