Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

62  Viertes  Kapitel.  Das  griechische  Wirtschaftssystemdem
  Aufhören  des  Peloponnesischen  Krieges  wurden  große  Söldnermassen
  frei,  die  nach  Persien  und  Ägypten  wanderten.  Allmählich
kamen  alle  Staaten  dazu,  Söldner  zu  verwenden.  Wenn  ein  Staat
im  wesentlichen  aus  Bauern  bestand  wie  z.  B.  der  römische,  so
war  es  begreiflicherweise  nicht  lange  möglich,  große  Kriege  im
Ausland  zu  führen,  weil  die  Äcker  nicht  bestellt  werden  konnten
(S.  105).  Aber  auch  in  einem  Staate  wie  im  spartanischen,  der
Ackersklaven  zur  Verfügung  hatte,  konnte  man  auf  die  Dauer  ohne
Soldtruppen  nicht  auskotnmen,  weil  die  Herrenklasse  sich  nicht
nur  nicht  entsprechend  vermehrte,  sondern  allmählich  sogar  zusammenschmolz. ­
  Es  ist  bekanntlich  überhaupt  schwierig,  Eroberungspolitik ­
  in  großem  Stil,  wenn  sie  nicht  direkt  zur  Kolonisation  der
überschüssigen  Bevölkerung  dient,  mit  einem  Bürgerheer  zu  treiben,
andererseits  sind  Söldnerheere  immer  gefährlich,  nicht  nur  für
die  Gesamtbevölkerung,  die  unkriegerisch  wird  und  so  der  Soldateska ­
  ausgeliefert  ist,  sondern  auch  für  ihre  Herren,  wie  dies  die
römischen  Kaiser  an  ihren  Prätorianern  oft  genug  erfuhren.  Der
Krieg  unterscheidet  sich  von  den  anderen  Erwerbszweigen  vor  allem
dadurch,  daß  die  Arbeiter  organisiert  werden  müssen,  wenn  sie
brauchbar  sein  sollen,  so  daß  der  Arbeitgeber  selbst  die  Organisation ­
  schaffen  muß,  die  sich  gar  leicht  selbständig  macht.  Wir
sehen  daher  immer  wieder  im  Altertum  Männer  auftreten,  die
für  Bürgerheere  eintraten  und  Soldtruppen  ganz  verwarfen  oder
nur  bedingungsweise  zulassen  wollten,  einen  anderen  Ausweg  sah
man  vielleicht  auch  darin,  daß  man  den  Söldner  wieder  zum
Bürger  machte,  indem  man  ihm  Land  gab  und  so  seine  Interessen
mit  jenen  der  übrigen  Bevölkerung  verband  (S.  88).
Durch  die  erweiterte  politische  Macht  und  die  weitreichende  Fürsorge ­
  vieler  antiker  Staaten  für  die  Bevölkerung  war  eine  ausgedehnte ­
  Finanz  Verwaltung  nötig;  erstreckte  sich  doch  die  Tätigkeit ­
  des  Staates  nicht  nur  auf  Bauten,  Spiele  und  Pensionen
(Äschines,  Gegen  Timarchos  42),  sondern  er  stellte  z.  B.  auch
Stadtärzte  an,  deren  Entgelt  pauschaliert  wurde  (Diodor  XII,  13).
Soweit  diese  Ärzte  nicht  aus  den  allgemeinen-Einnahmen,  sondern
aus  speziellen  Leistungen  bezahlt  wurden,  lag  eine  Art  staatlicher
Krankenversicherung  vor.  Ein  Teil  der  nötigen  Güter  wurde  durch
Naturallieferungen  der  Bürger  und  Untertanen  gedeckt,  zu  denen
auch  die  Kriegsdienstleistung  zu  zählen  wäre,  aber  auch  die  Waffen
mußte  der  einzelne  ursprünglich  selbst  beistellen.  Je  mehr  die  unteren ­
  Schichten  der  Bevölkerung  an  allen  Rechten  und  Pflichten
            
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