Full text: Antike Wirtschaftsgeschichte

64 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
Soweit die Kriegsbeute nicht zur Verteilung gelangte, bildete sie 
eine der wichtigsten Einnahmen für den antiken Staat (S. 98). 
Neben diesen außerordentlichen Einnahmen aus Steuern und den 
ordentlichen aus Privatunternehmungen wären noch die Ein 
nahmen aus Zöllen und Steuern, so besonders Verkaufssteuern, zu 
nennen sowie z. B. in Athen zur Zeit des Delischen Bundes Ein 
nahmen aus Tributen, auch die Strafsummen, die an den Staat ge 
zahlt wurden, und die zeitweilig eine große Summe ausmachenden 
Konfiszierungen gehören hierher. Es gab in Athen Zeiten, wo es 
allgemein bekannt war, daß aus Geldnot die Strafe der Konfiskation 
über Angeklagte verhängt wurde. Besonders im 4. Jahrhundert war 
dieser Mißbrauch oft allgemein. Da der Staat zunächst keine Schätze 
aufhäufte, war es sehr naheliegend, daß man im Notfälle andere 
Schatzbestände angriff; zu diesen gehörten vor allem diejenigen der 
Tempel. Durch Jahrhunderte angesammelte Gaben in Geld und in 
Rohmetall, neben kostbaren Weihgeschenken und Kunstwerken, waren 
aufgestapelt, ohne daß die Volksversammlung als solche eine Jngerenz 
darauf gehabt hätte. Einzelnen Staatsmännern war es vorbehalten, 
diese Tempelschätze im weitesten Ausmaß dem Staat nutzbar zu 
machen. Zunächst lieh man von den Tempeln Geld aus; dies war 
an sich nicht bemerkenswert, weil die Tempel überhaupt Geld aus 
zuleihen pflegten (S. 67), aber man hütete auch den Schatz und 
trug dafür Sorge, daß er immer gefüllt sei, so daß z. B. in Athen 
Tempelschätze fast so wie ein ständiger Staatsschatz behandelt 
wurden. Perikles und seine Nachfolger operierten mit diesem 
Schatz oft überaus geschickt, mit ihm wurde vor allem der Pelo- 
ponnesische Krieg geführt, da die Tribute der Bundesgenossen 
keineswegs immer ausreichten. Die Einnahmen aus den Berg 
werken, Zöllen usw. erhielt der Staat gewöhnlich in der Weise, 
daß er sie gegen eine Pauschalsumme verpachtete, was allerlei Miß 
stände zur Folge hatte (S. 112). Man darf sich aber keineswegs vor 
stellen, daß die Finanzverwaltung immer so geregelt war, daß längere 
Kriege anstandslos geführt werden konnten. Häufig war die Ar 
mee und die Flotte gezwungen, sich selbst nicht nur mit Lebens 
mitteln, sondern auch mit Geld zu versorgen. Bei Freund und 
Feind suchte man dann auf jede Weise Geld einzutreiben (Xeno 
phon, Geschichte von Hellas I, 1). Bald erhob man Gelder als 
Kontributionen, ein andermal ließ sie sich der Feldherr auszahlen, 
damit er darauf verzichte, die Soldaten den Bürgern ins Quartier 
zu legen. Auch scheuten sich die Athener nicht, während des Pelo-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.