Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

76  Viertes  Kapitel.  Das  griechische  Wirtschaftssystem.
behilflich  zu  sein,  wie  dies  z.  B.  Adam  Smith  in  der  modernen
Entwicklung  tat.  Griechenland  hat  keinen  Adam  Smith  besessen.
Die  Zerrüttung  der  griechischen  Welt  im  4.  Jahrhundert  wird
durch  nichts  deutlicher  als  durch  die  Tatsache,  daß  nach  verschiedenen ­
  Interventionen  des  Perserkönigs  schließlich  Athen  durch
Drohungen  von  den  Persern  gezwungen  wurde,  einen  großen  Teil
seiner  gezwungenen  Bundesgenossen  im  Jahre  355  fahren  zu
lassen.  Man  begann  jetzt  einzusehen,  daß  nur  ein  einiges  Hellas
den  Krieg  mit  den  Persern  zu  führen  in  der  Lage  sei,  nicht  aber
ein  einzelner  Staat  ohne  Überlegung  sich  in  internationale  Konflikte ­
  stürzen  könnte,  als  ob  es  ihm  durch  die  Götter  verbrieft
sei,  daß  alles  zum  Siege  führen  werde  (Jsokrates,  Über  den
Frieden  3).  Ein  großer  Teil  der  kampffähigen  Bevölkerung  war
gefallen,  ungeheure  Summen  aufgewendet  worden,  um  die  verlorenen ­
  Flotten  zu  bauen,  der  Landbau  war  vernichtet.  Da  schien
die  Friedenspolitik  (S.  74),  die  nur  dem  wirtschaftlichen  Kampfe
sich  widmete,  das  beste  Auskunstsmittel,  das  freilich  nur  zum  Teil
durchführbar  war,  weil  eine  fremde  Macht  entstanden  war,  die
in  die  Sphäre  Athens  immer  schärfer  eingriff  —  Mazedonien. ­
  Damals  haben  aber  nur  wenige  Griechen  die  Bedeutung
dieses  trefflich  organisierten  Staatswesens  begriffen  und  den  Rat
gegeben,  mit  ihm  verbündet  ein  Weltreich  zu  schaffen,  das  den
Orient  politisch  und  wirtschaftlich  den  Griechen  ausliefere.  Es
mußte  erst  neuerlich  zu  Kämpfen  kommen,  ehe  Mazedonien  dies
Programm  durchzuführen  in  der  Lage  war.  Die  Friedenshoffnungen
haben  sich  in  Athen  in  vielem  bewährt,  die  Kaufleute,  welche  zum
Teil  geflohen  waren,  kehrten  wieder  zurück,  Fremde  siedelten  sich
wieder  an,  um  Handel  und  Industrie  zu  treiben,  nicht  mehr  durch
Zölle  in  den  Häfen  der  Bundesgenossen  wollte  man  verdienen,
durch  Monopole,  sondern  vor  allem  durch  Unterstützung  des  Handels ­
  und  Verkehrs.
Die  politische  Selbständigkeit  und  Geschlossenheit  des  antiken
Stadtstaates  war  unabhängig  von  dem,  was  man  vielfach  als
wirtschaftliche  Autarkie,  wirtschaftliche  Selbständigkeit,  erklärt.
Die  politische  Abgeschlossenheit  konnte  scharf  durchgeführt  und
trotzdem  Export  und  Import  voll  entfaltet  sein,  wie  wir  das  in
der  modernen  Zeit  an  England  sehen.  An  diese  wirtschaftliche
Selbständigkeit  der  griechischen  Kleinstaaten,  wie  manche  moderne
Denker  sie  für  ein  Großamerika  für  durchaus  möglich  erklären, ­
  das  ohne  Export  und  Import  alle  seine  Bedürfnisse  selbst
            
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