Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

Kolonien,  Orienthcin-el.

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Die  Handelsbeziehungen  mit  dem  Orient  führten  zu
einem  erheblichen  Abfluß  von  Edelmetall  nach  dem  Osten,  doch
wurde  viel  davon,  besonders  zur  Zeit  Alexanders  des  Großen,  aus
dem  Orient  in  die  griechische  Welt  gebracht  und  der  Abfluß  dadurch
verringert,  daß  ein  großer  Teil  der  orientalischen  Waren  mit  okzidentalischen
  Waren  gezahlt  wurde.  Erst  in  der  römischen  Kaiserzeit
scheint  der  Abfluß  des  Edelmetalls  nach  dem  Osten  den  Verkehr  ungünstig ­
  beeinflußt  zu  haben.  Auch  darf  nicht  vergessen  werden,  daß
die  in  großem  Stil  betriebene  Industrie  in  Verbindung  mit  dem
regen  Zwischenhandel  den  Umlauf  des  Geldes  beschleunigte,  was
ebenfalls  die  üblen  Folgen  des  Abflusses,  soweit  er  den  Zufluß  überstieg, ­
  auszugleichen  geeignet  war.  Die  Höhe  der  Handelsgewinne
scheint  absolut  gestiegen  zu  sein,  indem  weit  mehr  Möglichkeiten
vorhanden  waren,  Güter  umzusetzen,  die  relativen  Gewinne  aber
dürften  in  dieser  Periode  noch  mehr  abgenommen  haben  als  in
der  vorigen,  soweit  eben  nicht  mit  Völkern  Handel  getrieben  wurde,
die  für  billig  zu  erzeugende  Güter  mittelländischer  Provenienz  von
den  Okzidentalen  hochgeschätzte  Güter  herzugeben  bereit  waren.
Aber  die  wichtigsten  Handelsvölker  des  Orients  gehörten  keinesfalls ­
  dazu  und  ließen  sich  ihre  Waren  recht  teuer,  zum  Teil  in
Gold  und  Silber  bezahlen.  Die  relativen  Geschäftsgewinne,  welchen
im  allgemeinen  die  Höhe  des  Zinsfußes  folgte,  nahmen  ab,  und
da  überdies  das  Geschäftsrisiko  sank,  so  fiel  der  Zinsfuß  in  dieser
Periode  bei  sicheren  Anlagen  vielfach  unter  10%.  Die  hellenistische
Kolonisation  eröffnete  auch  nicht,  wie  die  englische  in  Nordamerika,
weite  Gebiete,  in  denen  große  Geldmengen  zur  Anschaffung  rentabler ­
  Unternehmungen  verwendet  werden  konnten,  sondern  es
wurden  in  meist  schon  recht  stark  kultivierten  Gegenden  neue  Zentren ­
  geschaffen.  Das  Resultat  war,  daß  nicht  allzu  viele  neue  Anlagemöglichkeiten ­
  vorhanden  waren,  die  den  Zinsfuß  heben  konnten.
Es  kam  zur  Einführung  eines  staatlichen  Kreditgeldes,  wenn  man
etwa  die  Ausprägung  minderwertiger  Münzen  mit  Zusicherung
der  einmal  zu  erfolgenden  Einlösung  durch  vollwertige  hierher
rechnen  will.  Der  Überweisungsverkehr  der  Banken  war  im
allgemeinen  nicht  sehr  umfangreich,  am  stärksten  wohl  in  Ägypten,
wo  wir  Vorbilder  in  der  naturalwirtschaftlichen  Zeit  kennen  gelernt ­
  haben  (S.  9),  ein  interessantes  Beispiel  dafür,  daß  ein
durchgebildeter  Überweisungsverkehr,  eventuell  sogar  mit  Kreditverkehr ­
  verbunden,  in  einer  hochentwickelten  Naturalwirtschaft
ebenso  möglich  ist  wie  in  einer  hochentwickelten  Geldwirtschaft,
            
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