Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

Finanzen,  Berufsehre.

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Politik,  ed.  Sus.  1,4,  6),  wobei  man  keineswegs  immer  sein  Augenmerk ­
  darauf  richtete,  rentenabwerfende  Eigentumsobjekte  zu  schonen,
sondern  z.  B.  recht  leichtfertig  beim  Verkauf  von  Staatsländereien
verfuhr.  Auch  trug  es  nicht  zu  einer  regelmäßigen  Finanzgebarung
bei,  daß  bei  größerem  Geldbedarf  die  Vermehrung  der  Konfiskationen ­
  in  dieser  sowohl  als  am  Schluß  der  vorhergehenden  Epoche
(Lysias,  Gegen  Eratosthenes  6)  als  sehr  naheliegend  angesehen
wurde,  wobei  ein  größeres  Bedürfnis  des  Volkes  nach  staatlichen ­
  Geldzuweisungen  oder  sonstigen  Spenden  als  genügende
Ursache  zu  Eingriffen  erschien.  Besonders  in  Athen  war  diese
üble  Praxis  sehr  durchgebildet.  Das  Vorrücken  der  Geldwirtschaft
bewirkte,  daß  viele  Abgaben  nun  in  Geld  statt  in  natura  erhoben
wurden,  auch  der  Naturallohn  der  Truppen  wurde  zum  großen
Teil  in  Geld  ausgezahlt.  Man  nahm  eben  an,  daß  jeder  Besteuerte
in  irgendeiner  Weise  am  Markte  teilnehme,  und  daß  die  reinen
Hauswirtschaften  zur  Ausnahme  gehörten.  Wo  die  Naturalwirtschaft ­
  noch  vorhanden  war,  wurde  selbstverständlich  die  Erhebung
in  natura  vorgenommen,  wie  denn  überhaupt  die  Grundsteuer
vielfach  Naturalsteuer  blieb.
Die  wirtschaftlichen  Vereinigungen  bekamen  in  der  hellenistischen ­
  Periode  eine  noch  größere  Bedeutung  als  in  der  vorhergehenden, ­
  wenn  sich  auch  ihre  Wirksamkeit  im  einzelnen  keineswegs
genau  bestimmen  läßt.  Neben  der  wirtschaftlichen  Organisation  bestand ­
  wie  auch  fernerhin  gleichzeitig  vielfach  eine  religiöse,  besonders,
wenn  alle  Mitglieder  der  Korporation  landfremd  waren  (S.  50).
Denn  nicht  nur  die  Kaufleute  des  Landes  taten  sich  zu  Korporationen ­
  zusammen,  sondern  auch  die  Fremden.  Zu  den  Kaufmanns- ­
  und  Schifferkorporationen  kamen  auch  bald  die  der  Transporteure. ­

Selbstverständlich  war  es  auch  in  dieser  Epoche  das  vornehmste,
reich  zu  sein  und  Güter  zu  besitzen.  Die  Handarbeit  blieb  etwa
in  jenem  Maße  verachtet,  wie  dies  heute  der  Fall  ist.  Wir  können
sogar  in  Gebieten,  welche  bis  dahin  eine  starke  Wertschätzung  der
Handarbeit  aufwiesen,  in  diesem  Zeitalter  ein  Vordringen  der  Anschauung ­
  der  vornehmen  Griechen  konstatieren.  So  haben  bei  den
Juden  maßgebende  Theologen  der  verschiedensten  Zeitalter,  von
denen  viele  ein  Handwerk  ausübten,  sich  für  das  Handwerk  ausgesprochen ­
  (Sprüche  der  Väter  II,  3):  „Löblich  ist  es,  Wissenschaft
mit  einem  Gewerbe  zu  verbinden,  denn  das  Streben  nach  beidem
läßt  die  Sünde  vergessen,  aber  nur  Wissenschaft,  ohne  daß  sie  mit
            
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