Full text : Das Lebenswerk von Karl Marx

er  der  Begründer  des  historischen  (im  Gegensatz  zum  rationalen)  oder
realistischen  (im  Gegensatz  zum  utopistischen)  Sozialismus.
Entscheidend  wurde  dieses;  sobald  einmal  die  Zielpunkte  der
proletarischen  Bewegung  schlechthin  festgelegt  waren,  konnten  sich
darauf  „die  Proletarier  aller  Länder"  vereinigen.  Dem  praktischen
Bedürfnis  nach  Internationalist  der  Bewegung  tat  dieses  Minimumprogramm ­
  auf  das  glücklichste  Genüge.  Auf  dieser  programmatischen
Grundlage  konnte  man  nun  die  Kräfte  entfesseln,  die  in  der  Idee
der  Jnternationalität  noch  gebunden  waren.  Und  somit  wurde
die  Marx'sehe  Lehre  sauf  Umwegen)  doch  die  Erzeugerin  einer  neuen
oder  richtiger  die  Wiederbeleberiu  einer  alten  durchschlagskräftigen
Idee:  die  der  allgemeinen  Menschenverbrüderung,  der  allgemeinen
Menschheitsgesellschaft.
Aber  so  hoch  man  nun  auch  diese  realen  Werte  in  der  Marxschen
  Lehre  als  Erklärung  für  deren  Sieghaftigkeit  veranschlagen  möge:
darüber  kann  kein  Zweifel  bestehen,  daß  sie  allein  niemals  genügt
haben  würden,  um  Marx  für  ein  Menschenalter  zum  Diktator  der
Massen  zu  machen.  Dazu  mußten  die  Eigenarten  seiner  Doktrin
mitwirken,  die  sich  bei  genauem  Hinsehen  als  fiktive  Werte  darstellen,
weil  sie  entweder  in  nichts  anderem  als  einem  glücklichen  Mißverständnisse ­
  des  Gläubigen  beruhen  oder  aber  Irrtümer  sind,  die  schließlich ­
  zwar  als  solche  erkannt  wurden,  die  doch  aber  Jahrzehnte  hindurch ­
  ihre  faszinierende  Wirkung  auf  die  Massen  der  Sozialisten  ausgeübt ­
  hatten.  Ich  erkläre,  was  ich  meine:
Da  ist  zum  Beispiel  seine  berühmte  und  berüchtigte  Wertlehre,
die  früher  (wie  wir  schon  sahen)  häufig  als  die  Marx'sche  Theorie
oder  wenigstens  als  ihr  wesentlicher  Bestandteil  angesehen  wurde.
Ihr  Inhalt  ist  bekanntlich  dieser:  daß  infolge  der  eigentümlichen  Gestaltung ­
  der  Marktverhältnisse  in  der  kapitalistischen  Epoche  der  Lohn-
            
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