Full text: Das Lebenswerk von Karl Marx

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das Werk einer sonderbar gestimmten, nie wiederkehrenden Betätigung 
menschlicher Charaktere. Die Gestalt ist in beiden Fällen einzig 
(„historisch"): aber „Stoffe" und „Kräfte" setzen wir im einen Falle 
als ewig gleiche, im andern Falle ebenfalls als historisch, das heißt 
in dieser Zusammensetzung einzig gegebene. Man vergleiche zur Übung: 
Preisbildung und Verbrennung! Schwerkraft und Gewinnstreben! 
Diese Unterschiedlichkeit des Objektes bedingt nun aber unmittel 
bar den wie mir scheint bei weitem wichtigsten Unterschied zwischen 
Naturwissenschaft und MenschenwissenschafU die grundverschiedene Art 
dessen, was wir „erkennen" nennen. 
Die Natur erkennen heißt sie beschreiben, heißt die beobachteten 
Vorgänge auf eine Formel bringen, heißt Ursachen Hhpostasieren, 
von deren Wesenheit wir nichts wissen. Den Menschen und sein 
Handeln erkennen, heißt: erklären, heißt deuten aus eigenem Erlebnis, 
heißt Gründe nachweisen, von denen wir aus uns selbst heraus Kunde 
haben, die wir somit kennen. 
Anders ausgedrückt: wirkliche Erkenntnis gibt es nur im Gebiete 
der Geisteswissenschaft; während das, was wir Naturerkennen heißen, 
nichts anderes als eine Umschreibung von Vorgängen bedeutet, von 
deren innerem Zusammenhange wir nichts wissen. 
Ich kenne die letzte Ursache nicht, die den Stein zum Fallen 
bringt; denn wenn ich sie „Schwerkraft" nenne, so setze ich ein Wort 
ein, ohne darum üefer in die Sache einzudringen. Wenn aber jemand 
dem andern den Schädel mit einem Stocke einschlägt, so vermag ich 
hierfür Gründe anzugeben, weil ich die Handlung, die zum Schädel- 
einschlägen geführt hat, aus meiner Seele zu erklären vermag. Wer 
möchte sagen, warum die Erde um die Sonne kreist. Aber warum 
Romeo um Julia, Napoleon um England, der Jobber um die Börse 
kreisen: das weiß ich, denn wiederum habe ichs erlebt.
	        
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