62
Zinnober, roter (rotes Quecksilbersulfid) wird mit einem
Zoll von M. 10.— belegt. Die Regierung hatte einen Zollsatz
von M. 25.— vorgeschlagen. Ein Antrag auf Zollfreiheit
wurde damit begründet, dass die Industrie gut prosperiere und
der Zoll nur 5 Fabriken zu gute kommen würde. Aus gleichen
Gründen wurde ein Antrag auf Herabsetzung des Zolles
auf M. 1.— befürwortet. Doch wandte die Regierung gegen
beide Anträge ein, dass sich die amerikanische Quecksilberindustrie
stark vermehrt habe und daher die Einfuhr des amerikanischen
Zinnobers nach Deutschland zu befürchten sei. Der
Zollsatz von M. 25.— wurde aber trotzdem verworfen und ein
solcher von M. 10.— angenommen.
Kreide, geschlemmt; auch gestäubte oder in anderer
Weise fein gepulverte Kreide soll mit einem Zoll von 10 Pfg.
belastet werden, andere Erdfarben (gebrannte, gemahlene oder
geschlemmte Färb erde und als solche verwendbare Abfälle und
Nebenerzeugnisse der Industrie, auch als Farberden, gemahlene
Erze) trocken oder in Teigform, auch geschönt, sollen einen
Zoll von 50 Pfg. tragen.
Durch diesen Zoll werden sehr viele Industrien ganz besonders
aber die Linoleumfabriken schwer geschädigt. Trotzdem
wird ein von anderer Seite beantragter Zoll von 40 Pfg. angenommen.
Russ, Buchdruckerschwärze, trocken, nicht zubereitet;
auch dergleichen Kupferdruckschwärze hat nach dem neuen
Tarif einen Zoll von M. 5.— zu zahlen, obgleich auch hier sehr
viele Fabrikationszweige getroffen werden und von vielen
Seiten um Zollfreiheit petitioniert worden war.
Blei-, Farben- und Kohlen stifte (zum Zeichnen oder
Schreiben); Kreide geschnitten oder geformt, ungefasst oder
nur mit Papier bezogen, sollen einen Zoll von M. 20.— tragen.
Kreide mit Fassung gemeinem Holze zum handwerksmässigen
Gebrauche (Zimmermannsstifte) einen solchen von
M. 25.—.
Andre Kreide, soweit sie nicht wegen ihrer Verbindung
mit anderen Stoffen unter höhere Zollsätze fallen einen solchen
von M. 40.—.
Alle diese Zollsätze sind relativ ausserordentlich hoch und
trotzdem der Mittelstand und Handwerker davon getroffen wird,
wurde die Regierungsvorlage angenommen.
Firnisse, Lacke, Kitte, Rohstoffe an denen Maler,
Tischler, Spiel Warenfabrikanten, Droschkenkutscher etc. in so
hohem Grade interessiert sind, hätten doch unbedingt zollfrei
bleiben müssen; aber auch hier wurden sehr hohe Zölle ein-