Object: Die deutsche Wirtschaft

Die wirtschaftliche Führerpersönlichkeit, 163 
sind hier wie dort die Ausnahme, und jedes Jahrhundert fördert auf der 
Erde ein halbes oder auch ein ganzes Dutzend aller Art davon zutage, 
aber die großen Begabungen wie der Besitz von Kenntnissen nehmen 
mit der Ausbreitung der Kultur und Wirtschaft zu, und zwar auf allen 
Gebieten menschlicher Leistung; je zahlreicher jedoch diese Begabungen 
erscheinen, desto schwieriger wird die richtige Einschätzung der auf- 
tretenden Kräfte, desto seltener das Durchdringen eines Genies, 
Gab oder gibt es solche auf wirtschaftlichem Gebiete? Gar kein 
Zweifel. Wir wollen ganz davon absehen, hier einzelne Persönlich- 
keiten als Genies, andere als ganz seltene Talente hinzustellen, aber 
Namen wie Rockefeller, Carnegie, Stinnes, Ford, Krupp, Thyssen, 
ganz wahllos hingeworfen, bezeichnen doch jeder für sich eine Summe 
von schöpferischen Leistungen, die nicht leicht überboten werden 
kann, Was trieb oder treibt diese Männer dazu, nicht an einem 
Punkte ausruhen und sich zu sagen: So, das genügt mir, so viel 
Millionen oder Milliarden hast du hinter dich gebracht, jetzt kannst 
du dich zur Ruhe setzen, Wären sie Spießbürger, Genießer oder 
Naturen, die nach der landläufigen Idee des Geldraffens wegen sich 
quälen, so würden sie zweifellos so gehandelt haben, aber der 
Schaffensdrang ist in ihnen viel zu gewaltig, das niemals ruhende 
schöpferische Gehirn zu lebendig bis zum letzten Atemzuge, als daß sie 
plötzlich den Bleistift hinlegen könnten. Damit ist auch die Antwort 
auf die so oft von Laien gestellte Frage gegeben: Warum „genießt‘ der 
Mann sein Leben nicht besser und hört auf, sich immer größere Ge- 
schäfte an den Hals zu laden? 
Genau so gut könnte man einem Künstler zurufen: Verehrter, lassen 
Sie doch nun das Dichten, Sie haben doch schon genug damit „ver- 
dient”! Der Dichter würde lächeln und sagen: Wenn ich aber weiter- 
schaffen muß, solange mir etwas einfällt?! Ford betont ganz richtig in 
seinem für die Erkenntnis der Psychologie des modernen amerika- 
nischen Wirtschaftsführers sehr aufschlußreichen Buche über sein Leben 
und sein Werk, daß ein Unternehmen ein lebendiger Organismus ist, 
das entweder unter richtiger Führung die Kraft hat, sich weiterzuent- 
wickeln oder zum Stillstand und damit sehr oft zum Rückgang oder gar 
zum Absterben bestimmt ist. Menschen in ihm und an ihm arbeiten zu 
lassen, seine Organisation immer aufs neue zu durchdenken und zu 
vereinfachen, es zu einem wichtigen Bestandteil des Staates und der 
Volkswirtschaft zu machen, die Erzeugnisse stets vollendeter und vor- 
teilhafter an den Verbraucher heranzubringen, das ist die täglich aufs 
neue zu bewältigende Aufgabe des Wirtschaftsführers, der über den 
eigenen Geldbeutel hinaus zu denken fähig ist; und nur solche Persön- 
lichkeiten werden im allgemeinen als Führer der Wirtschaft in 
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