Landwirtschaft und Sozialismus
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gen. Auf diese Erscheinung ist ja in der Literatur schon oft hingewie
sen worden, worauf beruht sie?
Ls kommen hier dieselben Umstände in Betracht, die es auch be
wirken, daß in der Landwirtschaft der Uleinbetrieb eine ganz an
dere Bolle spielt und aller Voraussicht nach dauernd spielen wird
wie in der Industrie. Kn der Landwirtschaft mußte ja der Marxis
mus die Enttäuschung erleben, daß sich in ihr die Entwicklung nicht
nach dem von ihm gleichmäßig für Industrie und Landwirtschaft
aufgestellten Schema von der naturnotwendigen Verdrängung des
Uleinbetriebs durch den Großbetrieb vollzog. In der Landwirtschaft
ist der Uleinbetrieb, das hat auch der orthodoxe Flügel der Sozia
listen schließlich zugeben müssen, in ganz anderem Maße konkurrenz
fähig wie in der Industrie. Im Gegenteil, der Uleinbetrieb erweist
sich oft dem Großbetrieb überlegen und dringt auf Uosten des letz
teren vor, so in Deutschland in der Periode von 1882 bis 1907.
wenn wir nun nach dem letzten und entscheidenden Punkt fragen,
der es bewirkt, daß sich die Landwirtschaft in dieser Beziehung so
wesentlich anders verhält wie die Industrie, so müssen wir, abge
sehen von der viel weniger hervortretenden Rolle, welche Maschinen
technik und Arbeitsteilung, die beiden Uräfte, denen in der In
dustrie der Großbetrieb hauptsächlich seine Überlegenheit verdankt,
in der Landwirtschaft spielen, vor allem folgenden Punkt hervorhe
ben: Bei den landwirtschaftlichen Arbeiten kommt es in ganz an
derem Maße wie bei der industriellen Arbeit auf die S orgfalt und
die Gewissenhaftigkeit der Arbeit an, oder — so läßt sich der
Unterschied vielleicht noch besser formulieren — ob die Leistung des
Arbeiters nicht nur der Menge, sondern auch der Güte nach befriedi
gend ist, das läßt sich in der Landwirtschaft nicht so leicht beurteilen
wie in der Industrie. Daß man die Leistung des Arbeiters aber nicht
nur ihrer Menge nach, sondern auch ihrer Güte nach rasch und sicher
beurteilen kann, das ist immer eine unumgängliche Voraussetzung
des Akkordlohnes. Venn der Akkordlohn in seinen verschiedenen For
men schließt immer die Gefahr in sich, daß die Größe der Ar-