Die Bodenreform im Lichte des Freihandels.
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bund“ unter Leitung von Stamm, welcher zunächst dieselben
Wege wie ersterer wandelte.
Doch hat dieser sich nicht der Einsicht verschließen
können, daß die Annahme einer steigenden Grundrente im
Reformstaate, wie eine einzige Steuer auf die Grundrente,
■ein Unsinn sei. Der Allwohlsbund hat durch einstimmige
Annahme unserer auf die bezüglichen Statutenänderungen
hinzielenden Anträge auf der Generalversammlung in
Wiesbaden am 28. September 1890 seinen Bestrebungen
eine andere Anschauung zugrunde gelegt. Und nunmehr
ist es möglich, sich in ruhiger Weise an der Diskussion
über die Entwickelung der politischen und wirtschaftlichen
Dinge zu beteiligen, ohne doch das Ziel der Erlösung
unserer Brüder aus den Augen zu verlieren. M. Flür-
scheim spricht sogar von der Möglichkeit einer
Steigerung der Grundrente auf 30 Milliarden für Deutsch
land als einzige Steuer. „Die Bodenmiete wird durch die
Konkurrenz der Bodenbenutzer sowieso stets auf dem
höchsten Punkte gehalten . . . Sie bildet ein Einkommen,
das den gesteigerten Bedürfnissen der Gesellschaft ent
sprechend zunimmt.'' Heute berechnet man ihre Höhe auf
3 Milliarden Mark.
Daß auf solchen Grundlagen, welche eine Steigerung des
schon krankhaft emporgetriebenen Bodenwertes voraussetzen,
kein segensreiches Wirken möglich ist, ist von vornherein
■einleuchtend. Wie die Landliga wegen dieser falschen Vor
aussetzungen dem Untergange geweiht war, so wird es der
Fall mit dem Bunde für Bodenbesitzreform sein, wenn er
sich nicht bald eines Besseren besinnt! Was soll man
dazu sagen, wenn den Gemeinden von jener Seite jetzt
empfohlen wird, größeren Grundbesitz zu erwerben, wo
wir vor einem Niedergange des Bodenwertes durch einen
Krach stehen? Sollten diese Männer nicht dadurch schon
gewarnt sein, daß kapitalistische Blätter und Hypotheken-