Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

182 VI. Das älteste erhaltene deutsche Kaufmannsbüchlein 
Über die Persönlichkeit Johanns sind die Nachrichten weit dürftiger als 
bei seinem Schwager. Er gehört zu jenen Kaufleuten, die von sich aus das 
Niederstadtbuch nicht benutzten, sondern andere Möglichkeiten der Be- 
urkundung vorzogen*?). Deshalb begegnet er im Niederstadtbuch nur 
nebenbei, in Fällen, wo die Initiative zur Vornahme des Eintrags von anderer 
Seite ausging. So 1346, als der Schweriner Domdechant Konrad Campsor 
einige Forderungen und Schulden, die er in Lübeck hatte, aufzeichnen ließ*®); 
hier ist unser Johann als Gläubiger genannt. Aufschlußreicher ist eine 
andere Gruppe von Eintragungen: in den Jahren 1338—1342 begegnet er 
viermal als der Lübecker Vertreter des Dorpater Kaufmanns Tidemann 
Rutenbeke; Einträge, welche Tidemann vornehmen läßt, bevollmächtigten 
Johann, die Schuld in Tidemanns Abwesenheit einzuziehen und die Einträge 
im Stadtbuch löschen zu lassen“). Also er war am baltischen Geschäft 
beteiligt. Stärker als sein Schwager — wenn die ganz dürftigen Nachrichten 
ine solche Wertung überhaupt zulassen — war er am englischen Geschäft 
beteiligt; namentlich an der Wollausfuhr®®). Wahrscheinlich hat auch er als 
Kapitalist stille Gesellschaften finanziert; nur lassen die auf den Namen 
Johann Clingenberg lautenden Eintragungen des societates-Registers keine 
bestimmte Zuweisung auf die verschiedenen nebeneinander vorkommenden 
Träger des Namens zu. Gestorben ist er vor oder im Jahre 1348*), Jedenfalls 
steht er als Kaufmann zurück hinter seinem älteren Bruder Wedekin, der 
denn auch im Gegensatz zu ihm in den Rat gelangt, und erst recht hinter 
dem 1356 gestorbenen ersten Ratsherrn Johann, des Eberhard Sohn, einem 
ganz hervorragenden Kaufmann. Aber auch seinem Schwager, unserem 
Hermann Warendorp gegenüber ist er die unbedeutendere Persönlichkeit. 
Im Jahre 1325 hatte er sich das Haus Mengstraße 34 unter günstigen Um- 
ständen gekauft; sein späteres Wohnhaus wurde das Nachbarhaus Meng- 
straße 365). Renten hat auch er, wenn auch in bescheidenem Umfange, 
erworben. 
Von den Söhnen unseres Hermann W. hat sein ältester Sohn Hinrich aus 
erster Ehe noch zu Lebzeiten seines Vaters Geschäfte getrieben. 1332 wird 
er als Vertreter seines Vaters beim Empfang einer Rente genannt; einige 
Niederstadtbucheintragungen der Jahre 1334 und 1335°%), die auf Hinrich 
ie Warendorp minor*®) lauten, werden sich vermutlich auf ihn bezogen 
haben, da er jünger gewesen sein wird als Hinrich, der Enkel des Hermann 
senior. Auch ist vielleicht noch ein Eintrag des Jahres 1338 mit ihm in Ver- 
bindung zu bringen, der von einer Schuldverpflichtung berichtet, die zwei 
Kölner Kaufleute ihm gegenüber eingehen®). Bei der großen Zahl der 
Hinriche und der fehlenden Angabe der Verwandtschaftsbezeichnungen muß 
manches zweifelhaft bleiben. Jedenfalls hat unser Hinrich noch zu Leb- 
zeiten seines Vaters selbständig sein Geschäft geführt, wozu ja auch die 
Tatsache sehr gut paßt, daß er 1340 über Grundstücke verfügen kann, die
	        
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