Full text: Über asiatische Wechselkurse

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Über die Wirkung der Währungsreform schreibt der 
Kaiserliche Generalkonsul in Singapur am 25, Juni 1908 
(Nachrichten für Handel und Industrie 1908Nr, 107): „Auch 
die Festsetzung des Goldwertes der Dollars auf 2 sh. 4 d 
im Jahre 1906 hat ungünstige Wirkungen nach sich 
gezogen. Die nächste Folge des hohen Dollarkurses war 
eine erhebliche Verteuerung der Lebenshaltung und eine 
Erhöhung der Produktionskosten aller Rohprodukte. Trotz 
des höheren Goldwertes des Dollars trat keine Reduzierung 
der Löhne ein; vielmehr konnten die Kulis bei den hohen 
Zinn- und Kautschukpreisen sogar noch Lohnerhöhungen 
durchsetzen, während die Weltmarktpreise sich nach der in 
den Straits festgesetzten hohen Währung richteten. Würde 
bei den heutigen geringen Preisen (Juni 1908) der Wechsel 
kurs niedrig stehen, so würde die Krisis nicht so schwer 
auf der Kolonie lasten. Noch in anderer Hinsicht hat sich 
der hohe Dollarkurs als verderblich erwiesen, indem die 
Chinesen zu Kursspekulationen auf chinesische Plätze ver 
leitet wurden, die früher nicht in ihrer Sphäre lagen und 
zu denen lediglich der feste hohe Dollarkurs die Hand 
habe bot. Vor der Festsetzung des Dollarkurses standen 
die Notierungen in Singapure mit denen in China ungefähr 
gleich, so daß Kursspekulationen beinahe ausgeschlossen 
waren. Wenn gleichwohl Kurstransaktionen schon seit 
vielen Jahren auf China gemacht wurden, so waren sie 
lediglich auf Warenbezügen von und nach China basiert, 
teils dienten sie zur Überweisung der von den zahlreichen 
in den Vereinigten Malayenstaaten und in Niederländisch- 
Indien lebenden Kulis gemachten Ersparnisse in die Hei 
mat, Der feste hohe Dollar brachte größere Kursschwan 
kungen zwischen Singapur und China mit sich, die von den 
Chinesen zu umfangreichen Kursspekulationen benutzt wur 
den, Als Ende vorigen Jahres (1907) Silber im Preise fiel, 
wurden ganz enorme Summen aufs Spiel gesetzt. Die 
Hoffnung auf baldige Erholung der Silberpreise verwirk 
lichte sich nicht, vielmehr fiel das Metall infolge der ameri 
kanischen Krisis und der indischen Hungersnot um fast 
25°/ 0 , so daß Millionen verloren wurden. Dann hatte auch 
die Regierung vorübergehend, um die durch den niedrigen 
Silberpreis bedrohte Währung zu stützen, durch Zurück-
	        
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