32
Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie.
Arten. Die Arbeit wird in Akkord bei größter Arbeitsteilung verrichtet.
Der Verdienst steht fast ebenso niedrig, wie im Steinbacher
Grund. Die Arbeitszeit ist nicht ganz so unmenschlich lang wie dort,
jedoch 13, 14 und 15 Stunden wird pro Tag auch gearbeitet. Die
Kaufleute bezahlen die Artikel nach Gewicht, das Pfund mit 20 bis
30 Ps. je nach Qualität. Die Rohmaterialien kosten pro Pfund 11 bis
12 Pf. Ein Dutzend Trensen wiegt zirka 6 Pfund. Zur Anfertigung
braucht der Arbeiter 2 l /t bis 3 Stunden. Der Preis beträgt nach
Gewicht 2,40 Mk. und noch mehr. Für die gangbarsten Schnallen
erhalten die Arbeiter pro 100 Stück:
Für Zuhauen
- Zusammenlegen
- Schweißen
- Blechschneiden
- Blechbiegen
- Blechumlagen
- Dornmachen
- Dornspitzen
- Dornschnallen
- Draht, Zutaten und Schwarzen
Insgesamt .
Verzinnen .
25 mm hoch 13 mm hoch
2 Pf. 2 Pf.
4 - 3 -
17 - 12 -
2 - 2 -
4 - 3 -
5 - 5 -
5 - 4 -
3 - 2 -
.3 - 2 -
28 - 10 -
73 Pf. 45 Pf.
10 Pf.
Aus den Beispielen ist leicht erklärlich, daß der Wochenverdienst
der Arbeiter 10 bis 13 Mk. pro Woche nicht übersteigt und daß Frau
und Kind für den Unterhalt mitarbeiten müssen.
Die Werkstätten in Brotterode sind dadurch, daß nach dem Brande
bei dem Wiederaufbau, so unzweckmäßige und schlechte Buden, wie
vordem bestanden, nicht wieder gebaut werden durften, besser geworden.
Von Zella und Mehlis bis Schmalkalden findet man die Heimarbeiterwerkstätten
zu Hunderten wie ein Viehstall an die Wohnhäuser angeklebt;
zuweilen Türe an Türe, Wand an Wand mit dem Viehstall,
so daß über den Mist in die Werkstatt gegangen werden muß. Anders
gestaltet sich das Bild für Ruhla, Wutha, Eisenach und herumliegenden
Orten.
Wuhka, halb gothaisch und halb weimarisch, hat 6600 Einwohner.
Waffen- und Messerschmiede waren im 18. Jahrhundert dort vorhanden.
Friedrich II., Preußens König, zog 1747 die Messerschmiede nach
Eberswalde. In Ruhla fing man mit der Pfeisenbeschlagsabrikation
an. Heute werden in Ruhla neben den Pfeifenbeschlägen, Metallspielwaaren,
Jnstallationsartikel zu elektrischen Anlagen, Taschenuhren
und anderes mehr hergestellt. In den Fabriken werden ziemlich
2000 Männer und Frauen beschäftigt; in der Heimarbeit fast eben so
viel. Rechnet man aber diejenigen, die am Tage in der Fabrik arbeiten
und wegen des niedrigen Lohnes mit ihren Familien am Abend zu
Hause arbeiten, so kommt man zu dem Resultat: in Ruhla sind alle
Arbeiterfamilien in der Heimarbeit tätig.