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Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie.
stündiger Arbeitszeit pro Tag 3,50 bis 4 Mk. Verdienst. So gibt es
noch eine ganze Anzahl Arbeiten, zum Beispiel Uhren aufnähen mit
fünf Stichen, Gros für 25 bis 40 Pf., und andere mehr. Bei all
den Arbeiten ist trotz Sonntagsarbeit, vierzehn bis fünfzehn Stunden
pro Tag und Anspannung aller Kinder ein auskömmlicher Verdienst
nicht zu erzielen. Die Preise sind bis auf das tiefste Niveau herabgedrückt.
Bei diesen geringen Preisen fällt noch in die Wagschale, daß
die Heimarbeiter bei Lieferung und Empfang ihrer Arbeiten stundenlang,
halbe Tage lang stehen und warten müssen. Arbeiten, die eine
oder einige Mark Verdienst bringen, müssen in einem Gewicht von
50 Pfund und mehr weite Wege in die Dörfer geschleppt werden.
Die Lebensmittel und Wohnungen in Ruhla sind teurer wie in
anderen Städten. Eine Wohnung von einer Stube, Bodenkammer und
Küche kostet in Ruhla 150 bis 180 Mk. und mehr. Unter solchen
Umständen muß auch der größte Ignorant die schlechte Lage der Heimarbeiter
in Ruhla erkennen können. Von Ruhla hat sich die Spielwarenbranche
durch die Firma Edmund Flick & Co. nach Wutha
und durch dieselbe Firma nach Eisenach verpflanzt. Mit ihr ist die
Heimarbeit in Wutha eingezogen und zieht sie in Eisenach mit all
ihren Begleiterscheinungen ein.
In dem Rundgang durch die Heimarbeit in Thüringens Metallindustrie
sehen wir in obigen Zeilen, wie schwer die Arbeiter schanzen,
wie Frau und Kinder helfen, wo irgend Hilfe möglich ist. Trotzdem
finden wir Armut, Not, Hunger und Elend. Nirgends zeigt sich Hilfe
und Besserung; die gewerkschaftliche Organisation wird von den Arbeitern
nicht erkannt. Auch diese würde nur auf die Gefahr hin, daß die Heimarbeit
schneller verschwindet, Hilfe im Kampfe bringen können. Die
Heimarbeiter in Thüringen müssen erkennen lernen, daß die Heimarbeit
verschwinden muß. Es niag hart für sie in der Gegenwart sein; kommen
muß es. Der beste Schutz der Heimarbeiter ist: Gesetzliches Verbot
aller unzureichenden Werkstätten und der Kinderarbeit, Festlegung bestimmter
Maximalarbeitszeit und Garantie von Minimallöhnen. Bis
dahin scheint es noch weit zu sein. So lange sind der nichtswürdigsten
Ausbeutung Tore und Türe geöffnet. An die gewerkschaftlich organisierte
Arbeiterschaft muß der Ruf laut und deutlich ergehen:
„Kampf der degenerierenden Heimarbeit auf allen Gebieten!"
Magdeburg.
Otto Voß.